Filmreihe: “Zur Geschichte des Western-Genres” im Arsenal


Klaus Kinski als Loco in "Leichen pflastern seinen Weg"

Klaus Kinski als Loco in "Leichen pflastern seinen Weg"

Hier stimmt einfach alles: die abgemagerten Dialoge, der Schnitt und natürliche die großartige FIlmmusik von Ennio Morricone. Es sind Szenen wie das Watscheln von Clint Eastwood und Eli Wallach durch ein Schlachtfeld, die diesen Film unsterblich machen. Gleichzeitig und völlig beiläufig werden maßlose Gier und heroischer Idealismus dermaßen ad absurdum geführt, dass man nur seinen Stetson ziehen kann. Während die ersten beiden Dollar-Filme Motive von Akira Kurosawa übernehmen und damit keine andere Wahl haben, als sehr kalt und fatalistisch zu sein, ist „The Good, the Bad and the Ugly“ gerade auf Grund seiner zutiefst fehlerbehaften Charaktere ein ausgesprochen sinnlicher Film.

Erbarmunglos wird es bei Sergio Corbuccis „Leichen flastern seinen Weg“ („Il grande silenzio„) – Jean-Louis Trintignant als stummer, traumatisierter Revolverheld gegen Klaus Kinski als sadistischen Kopfgeldjäger Loco. Der Ort des Geschehens ist dieses Mal nicht das südliche Kalifornien oder Arizona, sondern Utah. Soll heißen: statt brennender Sonne und Wüstensand gibt es Berge und Schnee. Eine herbeigeführte Lebensmittelknappheit führt dazu, dass die Einwohner eines Kaffs anfangen zu stehlen. Kopfgeldjäger werden engagiert, die die Einwohner gewissenlos abknallen und vor einem Hotel stapeln, damit sie „gerecht“ entlohnt werden. Nur der Traumatisierte stellt sich ihnen, gegen das Geld der Bewohner, in den Weg. Ein trister und sehr sehenswertes Stück jüngere Filmgeschichte. Es ist für den Zuschauer eigentlich nebensächlich, dass die Mythen der Besiedlung des amerikanischen Westens durch dieses Genre dekonstruiert und entzaubert wurden. Wichtig ist die Einsicht, dass Anstand, wenn man denn als Mensch gelten will, auch im Naturrecht – und nichts anderes demonstriert der Western in seinen Variationen- etwas gilt und das der Spruch „Geld macht nicht glücklich“ mehr als nur eine Kalenderweisheit ist.

Joris J.

Once Upon a Time in the West. Zur Geschichte des Western-Genres, 8.Juni bis 31. Juli, Programm unter www.arsenal-berlin.de

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6. Juni 2011 | In Allgemein

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