Autoritäre Regime, Revolutionen und Humor


Filmszene: "Forbidden", © Alfilm

Filmszene: "Forbidden", © Alfilm

Am 17. Dezember 2010 folgen auf die öffentliche Selbstverbrennung des jungen tunesischen Gemüsehändlers Bouazizi schnell Massenunruhen, die sich gegen das  korrupte tunesische Plündereregime und die unhaltbaren Lebens- bedingungen in Tunesien richteten. Auf den Volksaufstand folgten die “Jasminrevolution” und eine Protestwelle, die die arabische Welt überwältigte. Drei Wochen später schlug die Bewegung auf weitere Länder über und nach den ersten Protestmärschen gingen auch Algerier auf die Straße.

Als sich kurz darauf am 25. Januar 2011 Ägypten ebenfalls in die zivilen Widerstände einreihte, folgten auch Länder wie der Jemen, Jordanien, Syrien und Libyen. Bis heute dauern die Proteste in vielen Ländern an. Die Bilanz nach circa 320 Tagen: Algeriens Ausnahmezustand ist nach 19 Jahren aufgehoben, in Ägypten regiert ein Militärrat und während in Tunesien die Islamisten die ersten freien Wahlen gewannen, wurde in Libyen das islamische Recht der Scharia als Grundlage aller Gesetze neu ausgerufen. Auch wenn es gelang autoritäre Machthaber wie Husni Mubarak, Ben Ali und Muammar al Gaddafi zu stürzen, so forderten die Umwälzungsprozesse doch unzählige Opfer. Allein in Syrien kostete der Aufstand bis heute fast 3000 Menschen das Leben und das Regime Assad geht weiter mit aller Härte gegen Aufständische und Zivilisten vor und droht dem Westen, sich nicht in innerpolitische Angelegenheiten einzumischen.

Die Entwicklungen dieser Ereignisse sind ein besonderer Akzent im Hauptprogramm des Arabischen Filmfestivals Berlin, kurz “Alfilm”, in diesem Jahr vom 2. bis 10. November stattfindet. Am Mittwoch (2.11.) eröffnet das Festival seine dritte Ausgabe mit dem sehenswerten Spielfilm “18 Days” (Ägypten 2011), einem der wenigen Spielfilme, die bislang auf die Geschehnisse Anfang des Jahres reagieren. (siehe dazu Interview mit den Organisatoren). Zehn Kurzfilme erzählen von den Menschen, deren Geschichten wir in den Nachrichtenbildern bislang nur aus der Distanz erahnen konnten. Auch Amal Ramsis Dokumentation “Forbidden“, den die Regisseurin zeitgleich mit Beginn der ersten Unruhen beendete, zählt zu den wichtigen Zeitzeugnissen der Gegenwart. Auf eindrückliche Weise schildert er den Alltag und das Leben mit all seinen absurden Verboten unter dem Mubarak-Regime.

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1. November 2011 | In Arab Filmfestival | Kommentare deaktiviert

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