Der Visionär


Fritz Lang mit Kameramann Curt Courant (Mitte) bei den Dreharbeiten zum Film Frau im Mond (1929), Foto: Bundesarchiv

Fritz Lang mit Kameramann Curt Courant (Mitte) bei den Dreharbeiten zum Film Frau im Mond (1929), Foto: Bundesarchiv

Diese Indien-Schnulze ist ein Desaster. Sie hat überall viel Geld eingespielt. Aber ich für meinen Teil hasse sie. Ein buntes Abenteuermärchen mit wackeren Helden, hilflosen Frauen und dunklen Bösewichtern – einfach liebenswert, die Scheiße!“ hieß es in dem postdramatischen Stück „Der Leopard von Singapur“ von Rene Pollesch vor nicht ganz zehn Jahren im Prater der Volksbühne. Als Titelvorlage diente Fritz Langs „Der Tiger von Eschnapur“ (1959).  Pollesch verwurstete damals Motive aus Langs Film mit den Wirren, Erlebnissen und Folgen für die Menschheit rund um Nine-Eleven, wobei die Kritik an der Indien-Schnulze gerade auch zeigt, wie weitreichend das Werk Fritz Langs bis in die heutige Zeit wirkt. Ob nun auch schlussendlich das Original von Lang ein Desaster ist, ist Aufgabe der Rezeption.

Auch ist sicher jedem die volkstümliche Liedzeile: „Warte, warte, nur ein Weilchen, dann kommt der schwarze Mann zu Dir. Mit dem kleinen Hackebeilchen macht er Schabefleisch aus Dir“ bekannt. Fritz Lang ist wohl nicht der Urheber dieses historisch begründeten Kinderliedes und doch denkt man sogleich an die Anfangsworte des ersten Tonfilms von Fritz Lang, der einer seiner letzten Filme in der Weimarer Republik sein sollte. „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ ist nur ein Film des visionären Regisseurs, der lediglich einen Teil der cineastischen Synopsis der langschen Werke zeigt und ausmacht. Gerade nach seinen anfänglich eher phantastischen Arbeiten wie etwa „Frau im Mond“ (1929) oder „Metropolis“ (1927) sind seine späteren Werke, die hauptsächlich in Hollywood entstanden, meist näher an sozialpolitische Themen und an das reale Leben geknüpft. Das fast vollständige Œuvre von Fritz Lang, fast vierzig Film des Regisseurs und Drehbuchautoren, kann man in den nächsten zwei Monaten im Zeughauskino verfolgen. Insbesondere die Zusammenstellung der Filme lässt die immer wieder gesetzten neuen Impulse und Stilprägungen Langs in der Filmgeschichte erkennen.

Anlässlich des zwanzigsten Geburtstags des Kinos im Zeughaus, wird vom 1. Februar bis zum 31. März die Fritz Lang Retrospektive zu beschauen sein. Eine fast vollständige Werkschau des Jahrhundertregisseurs und einige Filme über den Virtuosen des Kinos selbst offerieren die facettenreichen und sich ständig weiter entwickelnden Arbeiten und Arbeitsweisen Langs. Einen besseren Filmpaten zum 20. Jubiläum hätte sich das Zeughauskino nicht aussuchen können und diese nicht immer beachtete Größe des deutschen Films hätte wohl seine Freude daran, dieser sehr wichtigen Film-Institution in der Stadt ein Geburtstagsgeschenk in Form seiner Filme zu machen.

Sven Bruelke

Fritz Lang Retrospektive, Zeughauskino, 1. Februar bis 31. März, Programm unter www.dhm.de

28. Januar 2012 | In Allgemein

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