Selbstverständlichkeit und Raffinesse


Jörg Frieß ist seit 2006 Leiter der Kinemathek des Deutschen Historischen Museums, Foto: A. Sohn

Jörg Frieß ist seit 2006 Leiter der Kinemathek des Deutschen Historischen Museums, Foto: A. Sohn

Das Zeughauskino, eines der unverzichtbaren Programmskinos dieser Stadt, feiert gerade mit einer großen Fritz Lang-Retrospektive seinen 20 Geburtstag. Über zwei Monate sind die Filme des wegweisenden Regisseurs zu sehen. Im Interview spricht der Leiter des Kinos, Jörg Frieß, über seine Beziehung zu Fritz Lang und die Zukunft des Kinos.

War Fritz Lang für sie selbst prägend?
Die Filme von Fritz Lang begleiten mich spätestens seit meinem Studium durchs Leben. Prägend waren unter anderem Langs Filme für die Erkenntnis, dass Filmgeschichte eine große Schatzkammer neuer Kinoerfahrungen sein kann.

Man verbindet Langs Schaffen vor allem mit seinem Meisterwerk „Metropolis„, dabei hat er nicht nur das Science-Fiction-Genre sondern auch den Spionage- und Kriminalfilm maßgeblich geprägt. Was macht sein Schaffen noch heute aktuell?
Die Selbstverständlichkeit und Raffinesse, mit der sich in Langs Filmen die Grenzen zwischen bürgerlichen Kunstvorstellungen und populärkulturellen Traditionen auflösen.

Wann haben sie mit der Planung für die Retrospektive begonnen? Was war Ihnen wichtig?
Die Entscheidung für eine Fritz Lang-Retrospektive anlässlich des 20. Geburtstags des Zeughauskinos fiel vor etwa acht Monaten. Wichtig war uns im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten eine Retrospektive auf die Beine zu stellen, die zumindest Langs OEuvre als Regisseur möglichst umfassend abdeckt.

Konnten sie auf originale Filmkopien zurückgreifen oder greifen sie auf digitale Medien zurück?

Im Rahmen der Retrospektive kommen fast ausschließlich 35mm-Kopien zum Einsatz. In einigen wenigen Ausnahmen werden wir auf 16mm-Kopien oder BetaSP-Cassetten zurückgreifen müssen, da keine vorführbaren 35mm-Kopien verfügbar sind.

Das Zeughauskino feiert in diesem Jahr seinen 20 Geburtstag und hat sich mit seinen Filmreihen und Retrospektiven zu einem unersetzlichen Ort für filmhistorische Aufarbeitung entwickelt. Erinnern sie sich noch an ihren ersten Tag?
Mein erster Arbeitstag fand Mitte August 2006 statt, also in einem Monat, in dem das Zeughauskino seine Sommerpause einlegt. Ich lernte vor allem die Kolleginnen und Kollegen kennen: ein Team, das mit Leidenschaft und großem Sachverstand für das Zeughauskino arbeitet.

Was hat sie in ihrer Arbeit als Leiter des Kino am meisten beeindruckt?
Bewegend ist immer wieder die Erfahrung, wenn nach manchmal monatelanger Klärung der Kopien- und Rechtefragen die gelieferte Filmkopie im Projektor liegt, im dunklen Kinosaal das Filmbild auf der Leinwand erscheint und mit einem Mal alle Erinnerungen an die Kinoarbeit verschwinden und der Film seine Magie entfaltet.

Nicht nur wegen der Digitalisierung der Kinosäle werden es Arthouse- und Programmkinos in den kommenden Jahren immer schwieriger haben, sich am Markt zu behaupten. Vor allem kämpfen sie zunehmend darum, ihr Publikum zu bewahren. Wie sehen sie die Zukunft ihres Kinos?
Die Zukunft des Zeughauskinos wird bei allen anstehenden technischen Neuerungen, etwa der Umrüstung zu einem so genannten Hybrid-Kino, mit seiner Geschichte nicht brechen. Das Zeughauskino wird also ein Repertoirekino bleiben, das vor allem filmhistorische Reihen präsentieren und Film- und Zeitgeschichte vermitteln wird, mit dem Ziel, für unser Programm immer mehr Zuschauerinnen und Zuschauer zu begeistern.

Interview: Martin Daßinnies

Fritz Lang Retrospektive, Zeughauskino, 1. Februar bis 31. März, Programm unter www.dhm.de

2. Februar 2012 | In Allgemein

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