Eine neue Schule


Mumbelcore Berlin - das Manifest "Sehr gutes Manifest"

Mumblecore Berlin - das Manifest "Sehr gutes Manifest"

Das Festival achtung berlin fühlt seit Jahren am Puls der jungen Filmemacher der Region. 2012 formulieren die Leiter Hajo Schäfer und Sebastian Brose eine These, die Indizien der letzten Jahre belegen: In Berlin entstehe seit einigen Jahren Independentkino, losgelöst von der üblichen Abhängigkeit von Förderern wie dem Fernsehen, der Berlin Mumblecore.

Der Begriff Mumblecore (mumble=murmeln) geht auf einen amerikanischen Tontechniker zurück, der damit das teils nur schwer verständliche Gemurmel der Akteure auf der Leinwand kommentierte. Mumblecore entstand Anfang des Jahrtausends in den USA und beschreibt eine Bewegung im amerikanischen Independentkino, das mit kleinem bis sehr kleinem Budget auskommt und mit Laien-Schauspielern arbeitet. Filme, mit denen sich Regisseure und Schauspieler ausprobieren wollen. Mumblecore-Filme werden oft ohne festes Drehbuch gedreht, lassen sich in ihrer Geschichte ähnlich treiben wie die Protagonisten und ziehen nicht selten aus den Improvisationen der Schauspieler ihre größten Momente. Bekannteste Vertrete sind der „Godfather of Mumblecore“ Andrew Bujalski und Joe Swanberg, der mit seinen Arbeiten Stammgast im Berlinale Forum ist und seine „Filme teilweise in wenigen Tagen dreht“, erklärt Hannes Brühwiler, der in Berlin das Filmfestival Unknown Pleasures leitet, das sich dem amerikanischen Independentkino widmet. Er berichtet vom Hype um Mumblecore, der aber nicht „das ganz große Ding wurde“.

Weil aber in den USA statt einer Filmförderung, wie hierzulande, eher Crowdfunding, das in Deutschland langsam den Kinderschuhen entwächst, unabhängiges Kino finanziert, könnte die Berliner Bewegung mehr sein. Hajo Schäfer geht bei einer Diskussionsrunde einen Schritt weiter: „Diese Filme sind eine Provokation. Die werden etwas verändern. Die Sender sehen das und überdenken ihre Haltung.“ Schon 2009 lief in Berlin Jette Millers „Austern ohne Schale„, im letzten Jahr „Frontalwatte“ (von Jakob Lass) und „Papa Gold“ (von Tom Lass), der seine Premiere beim renommierten Max Ophüls Festival in Saarbrücken feierte, für den First Steps Award nominiert wurde und den Preis des Verbandes der deutschen Filmkritik gewann. In diesem Jahr nun „Klappe Cowboy“ und der herausragende Sieger des new berlin film award „Dicke Mädchen“ von Regisseur Axel Ranisch, der zuvor schon in Hof großes Thema der Branche war und beim Filmfest in Lünen mit einem Drehbuchpreis bedacht wurde. Mehr als beachtliche Erfolge für einen Film, der um die 500 Euro kostete und statt einem Drehbuch nur auf knappe fünf Seiten Handlungsanweisung zurückgreift. Im Herbst folgt ein bundesweiter Kinostart.

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28. April 2012 | In achtung berlin

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