Warmherzige Filme aus dem ewigen Eis


Filmszene: "Echoes" von Ivalo Frank, Foto: Greenland Eyes

Filmszene: "Echoes" von Ivalo Frank, Foto: Greenland Eyes

Grönland ist die größte Insel unseres Planeten. Meist verbindet man mit dieser unendliche weiße Weiten, Gletscher, Schnee, Kälte, Eisbären und vielleicht denkt man noch an Eskimos – politisch korrekt Inuit. Dass es auf diesem riesigen unwirtlichen Flecken Erde auch Menschen gibt, die Filme machen, verwundert sicher erst einmal, es gibt schließlich gerade mal nur 60 000 Bewohner auf Grönland. Und was für Filme diese Grönländer machen, kann durchaus als qualitativ hochwertig angesehen werden.

Nuummioq – Someone from Nuuk” (2009) zum Beispiel ist ein sehr sehenswerter Spielfilm, der nicht nur Teile der naturbelassenen Landschaft Grönlands, sondern auch Facetten des westlichen Lebens in der größten Stadt Nuuk nachzeichnet. Anhand der Leidens-, Lebens-, und Liebesgeschichte des Helden Malik kann sich der Rezipient recht gut mit dessen Leben identifizieren und zu gleich sind die Panoramen, in denen sich Malik bewegt, landschaftlich befremdlich. Im kargen, rauen Grönland erfährt der Enddreißiger, dass er krebskrank ist und nur noch wenig Zeit leben wird. Er begibt sich auf eine tiefgründige und anrührende Reise zu sich selbst, seiner Familie und seiner Liebe. Ein romantisches und sentimentales Drama des auf Grönland geborenen und aufgewachsenen Regisseurs Otto Rosing.

Otto Rosing wird auch den Weg aus dem hohen Norden nach Berlin finden und am 25. April zur Aufführung seine Films anwesend sein. Auch zur Roundtable-Diskussion am 28. April stehen neben Rosing viele weitere Filmemacher und Akteure des grönländischen Films für Gespräche bereit, den das vom 24. bis 30. April zum ersten Mal stattfindende Greenland Eyes soll als internationale Bühne, Ort einer Zwischenbilanz und Treffpunkt einer Vielzahl grönländischer Filminteressierter sein.

Das Berliner Publikum wird die Möglichkeit haben, Filme zu sehen, die zum größten Teil noch nie in Deutschland oder außerhalb Grönlands gelaufen sind. Von der ebenso auf Grönland geborenen und seit gut zehn Jahren in Berlin lebenden Festivalleiterin Ivalo Falk wird eine Dokumentation über verlassenen Militärbasen im Niemandsland der Insel zu sehen sein. “Echoes” (2010) ist laut der 1975 in Nuuk geborenen Regisseurin, die dänische Eltern hat, eher ein experimenteller Soundfilm, der gleichwohl starke Bilder von Industriedenkmäler zeigt, die von der Natur zurück erobert werden und Menschen zu Wort kommen lässt, die am Rande dieser Stationen leben. Neben diesen sehr aktuellen Filmen werden auch zahlreiche Produktionen älteren Datums, u.a. auch aus Dänemark und anderen Nationen, zu sehen sein. Alles rund um diese erstaunlich unbekannte Insel ist ab dem 24. April für eine Woche im Arsenal am Potsdamer Platz für Kinogänger zugänglich. Ein ausgewogenes Programm, dass viele Genres bedient und zum Glück keine PR-Veranstaltung für grönländischen Ökotourismus sein wird.

Sven Bruelke

Greenland Eyes International Film Festival, 24. bis 30. April, Kino Arsenal, Programm unter www.greenlandeyes.com

21. April 2012 | In Greenland Eyes International Film Festival | Kommentare deaktiviert

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