Kosslick: "Digitale Technik ist sehr demokratisierend."


Berlinale-Leiter Dieter Kosslick. Foto: Marc Ohrem Leclef / Berlinale 2012

Berlinale-Leiter Dieter Kosslick. Foto: Marc Ohrem Leclef / Berlinale 2012

Er ist das Gesicht der Internationalen Filmfestspiele und selbst sein Schal ein Markenzeichen: Dieter Kosslick leitet die Berlinale seit 2001. Im Interview gewährt er einen Ausblick auf die kommenden zehn Filmfestivaltage, spricht über die Berliner Schule, das demokratisierte Kino in Osteuropa und das aufkommende US-Indie-Kino, das an die dänischen Dogma-Filmer erinnert.

Herr Kosslick, bei der Pressekonferenz zur Berlinale haben Sie von „Filmen um Frauen und von Frauen“ gesprochen. Ist das eine Anspielung auf das Programm von Cannes, wo alle 22 Beiträge unter der Regie von Männern entstanden? In Cannes zog die Programmierung den Protest „Frauen zeigen in Cannes ihr Gesicht, Männer ihre Filme“ nach sich… Auch in Berlin sind nur drei von 19 Wettbewerbsbeiträgen von Regisseurinnen…
Keinerlei Anspielungen – drei von 19 Filmen, die von Frauen sind, ist ein relativ großer Anteil, wenn man bedenkt, dass das Regiefach nach wie vor ein sehr Männer-dominiertes Terrain ist. Mit Susanne Bier, Ellen Kuras, Shirin Neshat und Athina Rachel Tsangari haben wir zudem Topregisseurinnen aus der Filmbranche in unserer Wettbewerbsjury.

Die Internationale Jury 2013

Im Wettbewerb finden sich mit Thomas Arslans Western „Gold“ und „Layla Fourie“ von Pia Marais zwei deutsche Beiträge, dazu ein „halber“ mit „Uroki Garmonii“ von Emir Baigazin, der in Kasachstan spielt. Wie steht es im internationalen Vergleich um den deutschen Film 2013?
Natürlich gut. Die Berliner Schule macht Furore, z.B. mit Filmen wie „Barbara„, der spannende Film von Christian Petzold, der 2012 mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde. Die Berlinale ist und bleibt ein internationales Festival, dem ungeachtet haben wir nach wie vor großes Interesse daran, dem deutschen Film und auch neuen Regietalenten im Wettbewerb weiterhin eine wichtige Plattform zu geben.

Mit dem World Cinema Fund unterstützt die Berlinale Filmprojekte in Ländern, in denen es keine oder eine nur kaum funktionierende Filmindustrie gibt. Nun steht der bereits angesprochene, WCF-geförderte „Uroki Garmonii“ von Emir Baigazin im Wettbewerb. Was wünschen Sie diesem Kind der Berlinale?
Grundsätzlich freuen wir uns natürlich sehr, dass zum ersten Mal ein Langfilm aus Kasachstan im Wettbewerb läuft. Obendrein ist es auch noch ein Debütfilm, der um den Preis Bester Erstlingsfilm mit ins Rennen geht. Der Regisseur Emir Baigazin ist auch kein Neuling, er nahm bereits im Jahr 2008 am Berlinale Talent Campus teil. Wir wünschen ihm natürlich auch weiterhin viel Sichtbarkeit für seine Arbeiten und dass seine Filme eine Bereicherung für das Weltkino sein werden.

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