Der subjektive Blick: Die besten Filme der 63. Berlinale


Paulina Garcia brilliert als Gloria im gleichnamigen Film von Sebastián Lelio. Foto: Berlinale.

Paulina Garcia brilliert als Gloria im gleichnamigen Film von Sebastián Lelio. Foto: Berlinale.

Carolin Weidner:
Erst jetzt merke ich, dass meine persönlichen Favoriten auf einer Ebene alle etwas miteinander gemein haben: Sie konzentrieren sich auf Weiblichkeit, und zwar in einer recht sukzessiven Form. Begonnen beim finalen Seidl „Paradies: Hoffnung„, in dem sich die pubertierende Melanie in ein Diätcamp begibt und dort auf ihre erste Liebe trifft. Schön und trefflich peinlich. „Belleville Baby“ von Mia Engberg hingegen war ein wahrer Zufallstreffer: versehentlich fand ich mich in einem Film wieder, den ich eigentlich gar nicht sehen wollte. Engbergs dokumentarisches Essay ist eine Reise in die Vergangenheit, nach Paris, wo die Regisseurin Anfang der 90er Jahre die ersten Böen Erwachsenenleben streiften. Und Bärenanwärter „Gloria“ von Sebastián Lelio portaitiert eine gereifte und „Ja!“-schmetternde Chilenin. Hungrig, sehnsüchtig, großartig.

Szene aus "I used to be Darker" von Matt Porterfield. Foto: Berlinale.

Szene aus "I used to be Darker" von Matt Porterfield. Foto: Berlinale.

Alina Impe:
Ich hätte gern einen Wecker mit integrierter Ohrfeigenfunktion. Zumindest für die Berlinale wäre der sehr nützlich gewesen. „Maladies„: Verpennt. „Dark Blood„: Verpennt. „The Necessary Death of Charlie Countryman„: Zu spät gekommen. Verdammt! Viele habe ich aber nicht verschlafen. „Side Effects“ zum Beispiel. Oder „Don Jon’s Addiction„. Oder „I used to be Darker„. Die waren alle ziemlich gut, wenn auch nicht erhebend. Das war für mich eigentlich kein Film dieses Jahr. Mein Favorit für den Bären ist Seidls „Paradies: Hoffnung„. Auch wenn ich bei den erotisch-aufgeladenen Szenen mit Melanie und ihrem Doktor fast meinem Vordermann in den Nacken gekotzt hätte. Das muss erstmal ein Film schaffen.

Jude Law in Steven Soderbergh (vielleicht) letztem Werk "Side Effects". Foto: Berlinale.

Jude Law in Steven Soderbergh (vielleicht) letztem Werk "Side Effects". Foto: Berlinale.

Verena Manhart:
Samson & Delilah“ (NATIVe) hat tiefe Spuren hinterlassen und bleibt. Roman Zürchers „Das merkwürdige Kätzchen“ (Forum) verzauberte mich mit seiner sehr besonderen Beobachtung alltäglicher Nebensächlichkeiten. Und Sonderberghs „Side Effects“ (Wettbewerb) zeigte endlich mal wieder längst vergessene Wendungen à la Hitchcock. Emily (Rooney Mara) und Dr. Banks (Jude Law) durfte ich auf einen Tee treffen, ein Knaller. Abräumen wird sicher „Gloria„, weil ich den unbedingt sehen wollte und es dann doch nicht getan habe. Daumen drücke ich für Tanovics „Iron Picker„, weil ich den Sonntag noch gucke. Und natürlich für Dr. Banks.

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