Der subjektive Blick: Die besten Filme der 63. Berlinale


Auf dem Weg zum Klondike River. Foto: Patrick Orth / Schramm

Auf dem Weg zum Klondike River. Foto: Patrick Orth / Schramm

Cosima Grohmann
Meine Berlinale: Von ganz oben bis ganz unten

Eigentlich dachte ich, ich hätte diese Berlinale ganz gut ohne Beziehungsdramen, Psychothriller, Sozialkritiken und Folterszenen hinter mich gebracht. Aber am Ende hat mich der düstere Sound, für den die Berliner Filmfestspiele bekannt sind, doch noch eingeholt: „The Broken Circle Breakdown“ des Belgier Felix van Groeningen ist ein zutiefst verstörendes Drama über eine Countrymusiker-Familie, die an dem Krebstod der siebenjährigen Tochter zerbricht. Wer psychisch instabil ist, dem rate ich ab – für alle anderen ist dieser Film eher mit einer Massentrip-Erfahrung vergleichbar, als mit einem cineastischen Ereignis, es gab wirklich niemanden im Kino, der nicht geweint hat. Also anschnallen und eine nachhaltige Grenzerfahrungen machen. Viel weniger verstörend aber nicht minder eindringlich ist der Film „Oben ist es still„, von der holländischen Regisseurin Nanouk Leopold. Mit einem tollen Hauptdarsteller (Jeroen Willems) und einer außergewöhnlich verdichteten Bildsprache wird das Leben eines Landwirtes porträtiert, der seinen todkranken Vater pflegt und dabei Stück für Stück seinem eigenen Leben und seinem Schwulsein näher kommt.

Und auch, wenn nicht alle begeistert waren: Ich mochte „Gold„. Und das, obwohl ich sonst mit Western nicht sehr viel anfangen kann. Aber der Film von Thomas Arslan gleicht auch eher einem Roadmovie oder einem Kammerspiel in den endlosen weiten Kanadas – mit einer zuverlässig wunderbaren Nina Hoss zu Pferd. Wer bekannte Regisseure einmal abseits der angespannten Stimmung während den Filmpremieren erleben will, dem rate ich dringend in die Podiumsveranstaltungen des Berlinale Talent Campus zu gehen. Dort sprechen jedes Jahr bekannte Regisseure und Filmschaffende über ihre Arbeit – spannend, auch für Menschen, die beruflich nichts mit Filmemachen zu tun haben, weil hier die Begeisterung und das Know-how von Menschen erfahrbar wird, die mit Leidenschaft ihrem Beruf nachgehen. Dieses Mal sprachen etwa Ken Loach, Ulrich Seidl, Paul Verhoeven, Jane Campion oder Nina Hoss vor dem Publikum im HAU 1 bis 3. Ernüchternd war hingegen die „Begegnung“ mit dem Schauspieler Ethan Hawke: Was vorbei ist, ist vorbei – besonders, wenn es dabei sich um Teenieschwarm-Gefühle handelt …

"Narco Cultura" hinterlässt den Zuschauer in doppelter Hinsicht ratlos. Foto: (c) Shaul Schwarz Reportage/Getty

"Narco Cultura" hinterlässt den Zuschauer in doppelter Hinsicht ratlos. Foto: (c) Shaul Schwarz Reportage/Getty

Su T.:
Das wahre Leben. Stark waren in diesem Jahr die echten Geschichten, mit ihren vom Leben gezeichneten Menschen, deren Abgründen, Dämonen und Konflikten. Drei nachhaltig beeindruckende Dokumentationen konnte man im Panorama entdecken. „The Act of Killing„: eine bemerkenswerte Reise eines Massenmörders zu seinem Ich. „Narco Cultura„: besonders aus filmästhetischer Sicht herausragend. „Interior. Leather Bar„: cleveres, kontrovers diskutiertes James Franco Projekt.
Goldener Bär: für Jafar Panahis „Pardé“ und seinen Mut, den Despoten die Stirn zu bieten.

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