Gesetzte Verhältnisse sprengen


"Igor and The Cranes´ Journey": Igor leidet unter der Trennung seiner Eltern, da eröfnet ihm seine Mutter urplötzlich, dass sie mit ihm nach Israel auswandern wird. Foto: Jüdisches Filmfestival

"Igor and The Cranes´ Journey": Igor leidet unter der Trennung seiner Eltern, da eröffnet ihm seine Mutter, dass sie mit ihm nach Israel auswandern wird. Foto: Jüdisches Filmfestival

„We come in Peace“ ist auf dem quittegelben Plakat des Jüdischen Filmfestivals, das vom 29. April bis 12. Mai in Berlin und Potsdam stattfindet, zu lesen. Werbung muss sich bei dem Betrachter festsetzen. Sie muss auffällig wie hintersinnig sein – und tatsächlich nicht nur plakativ.

Liest man hier nun also Frieden, denkt man zwangsläufig auch an Krieg, an den Konflikt zwischen Israel und Palästina. Den Gazastreifen. Das Jüdische Filmfestival geht jedoch seit fast zwanzig Jahren weit über diesen Konflikt – wie auch über die Geschichte des Judentums – hinaus.Vielleicht muss man es sich darum noch einmal vergegenwärtigen: Jüdisches Filmfestival – das heisst Weltkino (also Kino aus der Welt) und Filme, die die Handschrift nicht nur einer Kulturregion tragen. Jüdisches Leben, Tradition, Kunst- und Religionsverständnis unterliegen in der Welt differenzierten Lebenskonzepten. So verhält es sich auch mit dem Film. Dementsprechend lang ist die Liste der Länder, aus denen die aktuellen Filme des Festivals stammen: u.a. Australien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Israel, Kanada, Polen, Österreich und den USA. Und umso spitzfindiger unterläuft der diesjährige Festivalslogan „We come in Peace“ bekannte Denkmuster und Voruteile.

Überraschend ist es dennoch, dass das Festival seine 19. Ausgabe mit einem Kriegsdrama eröffnet. „Zaytoun“ von Eran Riklis erzählt die Geschichte des palästinensischen Jungen Fahed (Abdallah El Akal) und des über Beirut abgeschossenen israelischen Kampfpiloten Yoni (Stephen Dorff). Ein Zufall und die Not macht aus den einstigen Feinden Weggefährten, beide wollen zurück nach Israel und begeben sich auf den Weg durch ein vom Bürgerkrieg zerrissenes Land. Riklis Film ist von einer tiefgreifenden Programmatik geprägt: Der Mensch ist fähig einen ausgleichenden wie übergreifenden Bezug herzustellen, der über gesetzte Verhältnisse hinausgeht. Die Positionen von Feind und Freund etwa, sie können, je nach Ausgangspunkt, ausgetauscht und überschritten werden.

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