Berliner wünschen sich Filme in inoffizieller Form


Das Campingplatzkino feiert zum Saisonauftakt Leander Hausmanns "Herr Lehmann", der vor zehn Jahren in die Kinos kam.

Das Campingplatzkino feiert zum Saisonauftakt Leander Hausmanns "Herr Lehmann", der vor zehn Jahren in die Kinos kam.

Was machen die Kinos falsch?
Böse gesagt: Die Kinos werden von der Förderanstalt gekauft, damit deren Filme da brav abgespielt werden. Resultat ist eine Hausfrauen-Arthouse-Welle, die nicht abebbt. Das macht Kinos aber für ein urbanes, junges Publikum gnadenlos uninteressant. Früher hieß es: Opas Kino ist tot. Jetzt vielleicht Opas Kinos auch. Auf alle Fälle wünschen sich Berliner Filme in inoffizieller Form.

Wo liegt das Problem bei der Förderung?
Ich bin kein Freund der Filmförderung. Da entstehen Weicheier-Filme und dann vergeben sie noch Programmpreise an kleine Kinos, die geförderte Weicheier-Filme abspielen. Berlin ist aber eine Stadt, in der eine Riesen-Nachfrage nach unabhängigen Filmen und Undergroundkino besteht.

Setzt du da mit dem Campingplatzkino an?
Wir zeigen Filme, die die normalen Kinos nicht spielen. Das Programm ist kompakt. Wir zeigen Berliner Indie-Komödien und die alten Außenseiter wie Lemke oder Zacher. 99,9 % der normalen deutschen Filme würden wir niemals spielen. Das Campingplatzkino ist radikal programmiert. Wir spielen nur das, an das wir zu 110% glauben. Wenn der Zuschauer EINEN Film mag, wird er ziemlich sicher auch die anderen mögen.

Wieso scheitern Festivals an dieser Aufgabe?
Jedes Festival expandiert und will am liebsten 300 Filme zeigen. Das kann nicht funktionieren. So ist es unmöglich, kompakte Qualität zu halten. Ein hoher Anteil der Filme muss auch noch neu sein. Festivals gerieren sich gerne als Retter des Indie-Films, zahlen den Filmemachern aber keinen Cent für die Vorführungen. Und selbst die Berlinale ist meist nicht in der Lage dem kleinen Indie-Film zu einem Verleih zu verhelfen. Festivals können nicht die einzige Abspielstätte von unabhängigem Film sein.

Die Fragen stellte Denis Demmerle.

Campingplatzkino,
von Juni bis August jeden Mittwoch ab 21 Uhr Open-Air-Kino im Hof des Prince Charles in Kreuzberg (bei schlechtem Wetter läuft der Film drinnen).
Eintritt: 4 €.
Rahmenprogramm: Immer mit Special Guests und DJ.
Infos auch bei Facebook.

Die Sommerkino-Reihe 2013:
Andrea Stosiek vom Freiluftkino Insel im Interview: Regen ist flüssige Sonne

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2. Juni 2013 | In Sonstiges | 2 Kommentare »

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2 Kommentare zu “Sommerkino: Campingplatzkino-Macher Patrick Banush im Interview”

  1. Walter Poganski sagt:

    Inhaltlich zu dem Interview von Patrick Banush wäre da viel zu sagen. Campingplatzkino ist so neu nicht, im Sommer gibt es in vielen Städten Open Air Kino und da ist oft das gleiche gewollt, nur halt etwas anders. Irgendwie hat alles seine Berechtigung, in Berlin ist vieles möglich, in anderen oder ländlichen Gebieten weniger. Die Kinobetreiber ob nun in den Popcornpalästen oder die vielen Arthousekinos brauchen die Filmförderung wie die Luft zum atmen. Letztlich hängen auch in der Produktion viele Arbeitsplätze an diesen Fördermöglichkeiten, klar kann man darüber diskutieren, nur eine funktionierende Filmwirtschaft ist ohne diese Finanzierungsmöglichkeiten nicht möglich. Als in der Filmwirtschaft tätigen müssen wir alles im Auge behalten und wie der Name schon sagt, es heißt ‚Filmgeschäft‘.

  2. Lichtspiele sagt:

    Ich finde es falsch, die Kinos so pauschal zu verteufeln. Dass es immer mehr Filmabende ausserhalb des normalen Kinobetriebes gibt finde ich gut, aber es hat wohl weniger mit dem furchtbaren Berliner Kinoprogramm zu tun, als eher damit, dass die Screenings technisch einfacher geworden sind weil jeder mit einem halbwegs funktionierenden Beamer Filme zeigen und “Kino spielen” kann, – und damit, dass der Zwang zur Eventkultur auch vor dem Kino nicht haltmacht und es manchen Leuten eben einfach nicht mehr reicht, einen Film zu schauen. Eine besonders obskure Spielstätte oder ein hipper Club scheinen da manchmal wichtiger zu sein als der Film selbst. Das kann sehr schön sein, sollte aber nicht den Respekt vor den Kinobetreibern schmälern, die zu dem in Deutschland wohl einmaligen Berliner Filmangebot nicht nur einen Film im Monat sondern jeden Abend viele Filme beisteuern. Genau genommen finde ich im Campingplatzkino-Programm auch keinen Film, der nicht auch schon in Berlin im Kino zu sehen war.