Fördern und Fordern


Cosima M. Grohmann ist freie Journalistin und lebt in Berlin. Als Regie- und Produktionsassistentin hat sie bei diversen Filmproduktionen mitgewirkt, am Ende sogar einen eigenen Dokumentarfilm gedreht. Als Kritikerin aus der Ferne fühlt sie sich dem Kino näher, sie schreibt u.a. für fluter, die Berliner Zeitung und die Deutsche Presse Agentur.

Cosima M. Grohmann ist freie Journalistin und lebt in Berlin. Als Regie- und Produktionsassistentin hat sie bei diversen Filmproduktionen mitgewirkt, am Ende sogar einen eigenen Dokumentarfilm gedreht. Als Kritikerin aus der Ferne fühlt sie sich dem Kino näher, sie schreibt u.a. für fluter, die Berliner Zeitung und die Deutsche Presse Agentur.

Lichtspielhäuser wehren sich gegen die vorgeschriebenen Filmförderungs-Abgaben und kulturschaffende Unternehmen zahlen ihren Beitrag an die Künstlersozialkasse nicht. Dafür gibt Ridley Scott jedem arbeitslosen Spanier, der als Sklave in seinem neuen Film mitspielen will, 80 Euro. Wer fühlt sich für Kunst eigentlich noch verantwortlich?

„Fördern und fordern“ heißt ein beliebter Leitsatz moderner Pädagogik. Nun, die deutsche Kulturlandschaft – und vor allem diejenigen, die von ihr profitieren wollen, sehen das anscheinend anders: Sie möchten nämlich am Liebsten gar nichts von Beidem und das, nun ja, fordern sie zumindest ein. So ging vergangene Woche die Kunde durch die Gazetten, dass Kinobetreiber nicht mehr länger an der Filmförderung beteiligt sein möchten. Die Betreiber der Kinokette UCI und andere Lichtspielhäuser wehren sich gegen die Regelung, dass sie – gemessen an der Zahl ihrer jährlich erkauften Tickets – Abgaben an die Filmförderungsanstalt leisten müssen (FFA). Der Betrag liegt momentan zwischen 1,8 und drei Prozent ihrer Einnahmen, ein Betrag, der sich für ein kleines Programmkino sicherlich auf dem Konto bemerkbar macht, bei größeren Häusern, aber weniger in Gewicht fallen dürfte. Mit der Begründung, die meisten gezeigten Filme seien ausländische Produktionen, sehen es die Betroffenen nicht ein, warum sie damit die hierzulande produzierten Filme finanzieren sollten. Zudem können Fernsehsender die Höhe ihrer Abgaben mit der Filmförderungsanstalt frei verhandeln.

Klar, die Frage, warum Kinos eigentlich – nicht wie andere Kulturinstitutionen – nicht noch eher vom Staat gefördert werden, anstatt dafür draufzuzahlen, dass sie existieren dürfen, wurde schon öfter einmal gestellt. Dass sich aber Kino auch immer in Sichtweite von Entertainment bewegt, ist in einer solchen Debatte der eigentliche Knackpunkt. Denn warum sollten große, wirtschaftlich gut aufgestellte Lichtspielketten wie UCI oder Cinemaxx, die tatsächlich stärker auf Blockbuster und Entertainment ausgerichtet sind, genauso staatlich gefördert werden, wie kleine Programmkinos, die mit ihrer Auswahl tatsächlich meist die kleineren, inländischen Produktionen fördern und nebenbei ums Überleben kämpfen? Die Beschwerde liegt jetzt jedenfalls beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe vor und soll noch im Oktober bearbeitet werden.

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26. August 2013 | In Allgemein

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