Kurzfilm ist schwerer beherrschbar und risikofreudiger


Szene aus "Munted" von Regisseur Welby Ings aus Neuseeland.

Szene aus "Munted" von Regisseur Welby Ings aus Neuseeland.

Eine Stärke des Kurzfilms ist seine Flexibilität…
Der Kurzfilm entzieht sich der Genre-Einteilung, mit vielen Mixgenres, da sie sich eben davon befreien wollen. Das erschwert die Vermarktung, wie ich von Verleihern weiß. Das Publikum ist sehr auf die 85 bis 100 Minuten eingeschossen und lässt sich seltener auf die verschiedenen Perspektiven ein, die ein Programm zu bieten hat. Was ich reizvoll finde. Uns ist wichtig, dass Kurzfilm eine originäre Stimme hat. Vieles, was im Independentbereich erfolgreich ist, kennen wir aus erfolgreichen Kurzfilmen.

Wie habt ihr euch als zweitgrößtes Filmfest in Berlin etabliert?
Im letzten Jahr hatten wir 17.000 Besucher, was mit unseren unzähligen Programmen und unseren Großveranstaltungen wie Eject oder Sound und Vision in der Volksbühne zu tun hat. Ich kann mir vorstellen, dass es dieses Jahr wieder mehr werden, das hat auch mit dem großen Zuspruch für unser seit sechs Jahren aufgebautes Kinder- und Jugendfestival KUKI zu tun. Das liegt daran, dass Jugendfilm gerne in eine Ecke geparkt wird.

In der Beziehung hat er es ähnlich schwer, wie der Kurzfilm…
Total. Viele Filmemacher versuchen zu vermeiden, dass ihr Film als Kinder- oder Jugendfilm eingestuft wird, die wollen nicht in die Ecke. Marianne Redpath, von der Berlinale-Generation, hat mir erzählt, dass sie viel Überzeugungsarbeit leisten muss, da viele nicht bei ihr laufen wollen. Weil der Vermarktung echt schwierig sein kann. Wir arbeiten da sehr eng mit ihr zusammen, pflegen da aber ein eigenständiges Profil mit eigener künstlerischer Leitung.

Ist Berlin der perfekte Ort für Filmfeste?
Ja! Die Mehrsprachigkeit und die vielen Szenen oder Gemeinden spielen eine wichtige Rolle. Beim KUKI legen wir wert auf sprachliche Programme, damit die Kinder ein Gefühl für die unterschiedlichen Idiome und Dialekte bekommen. Wir wollen – gemeinsam mit der Generation – dahin kommen, dass Kinder mehr Filme mit Untertiteln schauen. In anderen Ländern besuchen sechs- bis achtjährige ganz selbstverständlich Filme mit Untertiteln. Jugendliche, die den ganzen Tag SMS tippen, können auch unheimlich schnell lesen. Die kommen zurück zum Text und arbeiten damit. Ich gehöre eher zu einer 80er-Jahre Video-Generation. Die können so Weltkino miterleben. Stimme gehört zur schauspielerischen Leistung.

Was nehmen Kinder vom KUKI mit?
Die Kinder erleben so auch, dass Filme ohne Verfolgungsjagd oder Liebesgeschichte auskommen können. Gerade Kurzfilme, die nicht über die Langstrecke laufen. In Gesprächen sagen es Kinder auch häufig, dass ihnen auffällt, dass da keine Liebesszene drin war. Geht man tiefer und fragt, ob die Geschichte diese überhaupt braucht, entstehen interessante Auseinandersetzungen.

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5. September 2013 | In Interfilm

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