Der Weg zum eigenen Kino


"Imbabazi , The Pardon" zeigt das Ringen einer Generation nach dem ethnischen Bürgerkrieg der Hutu und Tutsi. Foto: Afrikamera

"Imbabazi , The Pardon" zeigt das Ringen einer Generation nach dem ethnischen Bürgerkrieg der Hutu und Tutsi. Foto: Afrikamera

Das in Deutschland in seiner Art singuläre Festival Afrikamera jährt sich nunmehr zum sechsten Mal. Dabei ist es zu einem der größeren und bedeutenderen Filmfestivals, die Berlin zu bieten hat, geworden. Neueste, außergewöhnliche und selten zu sehende afrikanische Produktionen machen hier den größten Reiz aus. Auch der Standort am Potsdamer Platz lässt Afrikamera in keinem ‘Schatten’ großer Festivals stehen. Hier kommt internationales Flair auf, auch der vielen internationalen Gäste wegen.

Kino aus Afrika erlebt in den letzten Jahren einen immensen Aufschwung. Was insbesondere durch die neuen Medien und durch die Verfügbarkeit von günstiger Technik geschieht. Filmschulen und Festivals wachsen beständig. Die so geschaffenen Plattformen bereiten mehr und mehr den Weg hin zu einem eigenen ‘afrikanischen Kino’. Welches das ist, ob es das so per se auch gibt und wie sich junge afrikanische Filmemacher heute die Themen und Stilistik ihrer Filme vorstellen – und diese umsetzten – , wird beim diesjährigen Festival in Berlin anschaulich vermittelt und debattiert werden. Hierbei liegt der Fokus neben den Themen “Auswanderung” und “Identität” auch auf der so genannten ‘Arabellion’. Filme also, die die Umbrüche in Nordafrika zum Gegenstand haben.

Erstmals werden zudem Arbeiten von Machern ostafrikanischer Inseln, eine Region, die auf der Landkarte des Weltkinos bislang noch weitgehend unbekannt ist, gezeigt. Neben den zahlreichen Langfilmen, stellt die Sektion “Africa for the Future” eine Auswahl von innovativen Kurzfilmen aus Tunesien, Gabun, Südafrika und Sambia vor, die sich durch eine Filmsprache jenseits sozialrealistischer Nüchternheit auszeichnen. Die Initiatoren von Afrikamera, der Verein toucouleur, können sich in diesem Jahr zudem über einen Ehrengast freuen – was wohl politische Anerkennung zeigt und Indikator der zunehmenden Popularität ist. Der Pastor, Bürgerrechtler und momentane Präsident der bundesdeutschen Republik, Joachim Gauck, wird bei der Filmvorstellung von Joel Karekezis “Imbabazi , The Pardon” (2013) anwesend sein. Der aus Ruanda stammende Karekezi machte 2008 sein Diplom in Regie an der Cinecours in Quebec und wird der Vorstellung seines Films ebenfalls beiwohnen. Karekezi porträtiert mit “Imbabazi , The Pardon” und anhand der Freundschaft zweier Männer sehr eindrücklich den Kampf der ruandischen Gesellschaft um Gerechtigkeit und Vergebung.

S. Bruelke

Afrikamera 12. bis 17. November 2013, Kino Arsenal, Programm unter www.afrikamera.de

12. November 2013 | In AFRIKAMERA | Kommentare deaktiviert

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