"Ich hatte noch nie eine Depression"


Regisseur Alexander Veledinski nach der Berlin-Premiere seiner Tragikomödie "Der Geograf, der den Globus austrank" mit der die 9. Russische Filmwoche in Berlin eröffnete. (c) Russische Filmwoche.

Regisseur Alexander Veledinski nach der Berlin-Premiere seiner Tragikomödie "Der Geograf, der den Globus austrank" mit der die 9. Russische Filmwoche in Berlin eröffnete. (c) Russische Filmwoche.

Der Geograf, der den Globus austrank“ von Regisseur Alexander Veledinski, eine Tragikkomödie um den sympathischen Antihelden Viktor, ist der Eröffnungsfilm der diesjährigen Russischen Filmwoche. Bevor Veledinski sich den Fragen der Zuschauer im Kino International stellte, sprachen wir mit ihm über ein ganz bestimmtes Motiv im Film: das Glück.

Der Geograf, der den Globus austrank“ war ein sehr erfolgreicher Bestseller aus dem Jahr 2003 von Alexei Iwanow. Warum haben Sie sich dazu entschlossen, Iwanows Buch zu adaptieren?
Alexander Veledinski:
Das war tatsächlich ein Vorschlag des Produzenten Valeri Todorovski. Ich habe daraufhin das Buch gelesen und es hat mir sehr gefallen, denn in der Geschichte geht es um mich, es geht um uns alle.

Die Protagonisten im Film sind im Dazwischen von glücklich und traurig sein. Er wirft einen realistischen Blick auf die Menschen. Ist der Film eine Art Gesellschaftsstudie?
Wenn Sie das so sehen, dann freut mich das. In Russland wird der Film als Tragikkomödie verstanden. In westlichen Ländern, besonders in den USA, als Komödie. Sie verstehen ihn als Tragikkomödie, weil Sie in Europa leben. Der europäische Zuschauer ist feiner als der amerikanische.

Warum haben Sie die Geschichte in die heutige Zeit verlegt und die Charaktere älter gemacht, als sie im Buch sind?
Aus dem einfachen Grund, dass der Titelheld kann in jeder Zeit lebt und auch überall leben. Es ist auch nicht wichtig, wie alt er ist. Er ist zeitlos.

In "Der Geograf, der den Globus austrank" von Veledinski sucht Hauptfigur Viktor (Konstantin Chabenski, rechts) nach Glück. (c) Russische Filmwoche

In "Der Geograf, der den Globus austrank" von Veledinski sucht Hauptfigur Viktor (Konstantin Chabenski, rechts) nach Glück. (c) Russische Filmwoche

Glück im Leben ist ein sehr universelles Thema. Formulieren Sie mit dem Film unterschwellige Kritik an den Umständen in provinziellen Industriestädten Russlands nach dem Fall der Sowjetunion?
Ja, aber das ist keine direkte Kritik. Wir sehen natürlich, dass der Held in einer bestimmten Zeit lebt, in einer bestimmten Stadt und unter bestimmten Bedingungen. Diese Bedingungen kommen natürlich in der Handlung des Films vor.

Im Film wird die Frage aufgeworfen, was wichtig im Leben sei. Ist es glücklich sein? Kann die Hauptfigur Viktor überhaupt glücklich sein?
Es kommt darauf an, wie man Glück definiert. Wenn wir von materiellem Glück sprechen, ist er natürlich nicht glücklich. Aber Glück erschöpft sich eben nicht in diesem materiellen Verständnis. Man kann ein Auto haben, eine Wohnung haben und trotzdem nicht glücklich sein. Ich habe mich mit dem österreichischen Publikum unterhalten und in Österreich gibt es eine hohe Selbstmordrate im Land. Sie leiden unter der westlichen Krankheit Depression. Ich hatte noch nie eine Depression. Obwohl ich kein Auto habe, keine Wohnung und kein Haus. Ich bin glücklich. Ich habe eine Frau, vier Kinder und eine Mutter, die lebt. Ich mache das, was mir Spaß macht. Manches gefällt mir, manches nicht. Ich stehe den Machthabern in Russland kritisch gegenüber. Aber entsprechend dem, was Kant sagt, bin ich im Inneren noch frei. Es ist die Frage, was Glück überhaupt sein soll. Aber was ich dann doch noch hinzufügen muss: meiner Frau gehören Auto und Wohnung.

Die Fragen stellte Laura Varriale.

Der Geograf, der den Globus austrank„, Regie: Alexander Veledinski, Hauptdarsteller: Konstantin Chabenski, Anfissa Tschernych, Jelena Ljadowa, Alexander Robak

29. November 2013 | In Russische Filmwoche

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