Kleine Träume und große Abenteuer


Regisseur Pablo Berger beim Eröffnungsabend im Babylon. Foto: Yenith Gonzélez

Regisseur Pablo Berger beim Eröffnungsabend im Babylon. Foto: Yenith Gonzélez

Bleibenden Eindruck hinterlässt die Reise von Albert Casals. Als Kind erkrankt Albert an Leukämie, ab seinem fünften Lebensjahr sitzt er im Rollstuhl. Die Dokumentation „Món Petit“ von Marcel Barrena begleitet den 20-jährigen Albert auf seiner Reise vom heimatlichen Barcelona ans exakt andere Ende der Welt, zu einem Leuchtturm in Neuseeland. „Albert ist kein Tourist, kein Reisender, er ist ein Abenteurer“ wird seine Familie im Laufe der Dokumentation erzählen. Mit gerade einmal 20 Euro in der Tasche startet der junge Mann mit den blauen Haaren sein Abenteuer. Daumen raus und los geht’s. Diese Reise ist nicht nur deshalb so beeindruckend, weil Albert mit wenig Geld und seinem scheinbaren Handicap überhaupt so weit kommt, sondern vor allem deshalb, weil es kein Ego-Trip ist, kein Sich-selbst-finden. Albert ist schon ganz bei sich selbst, er macht sein Ding. Die Reise hat einen einfachen Grund: Er will die Welt sehen.

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Eine besonders gruselige Reise bietet „O Apostolo“ von Fernando Cortizo. Ein Häftling entkommt aus dem Gefängnis und gelangt auf seiner Suche nach versteckter Beute als Pilger getarnt auf dem Camino de Santiago auf Abwege. Ein abgelegenes Bergdorf irgendwo in Galizien lässt ihn nicht mehr los. Seltsame Bewohner, geheimnisvolle Vorgänge und jede Menge knorriger Bäume und Nebelschwaden werden sein neues Gefängnis. „O Apostolo“ ist eine 80-minütige Stop-Motion-Animation und absolut fantastisch. Fans des großartigen Luis Tosar (Celda 211, Tambien la lluvia) dürften sich darüber freuen, dass er einer Figur des Filmes seine markante Stimme leiht.

Mit der diesjährigen Filmauswahl hat das Spanische Filmfest Berlin seine Besucher auf einen spannenden Streifzug durch Spaniens Filmlandschaft geschickt. Dass es noch mehr zu sehen gibt, steht außer Frage. Wir freuen uns schon auf die nächste Rundreise im kommenden Jahr.

Verena Manhart

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26. November 2013 | In Spanisches Filmfest Berlin

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