Was kümmern uns die Filmrollen von gestern?


Cosima M. Grohmann ist freie Journalistin und lebt in Berlin. Als Regie- und Produktionsassistentin hat sie bei diversen Filmproduktionen mitgewirkt, am Ende sogar einen eigenen Dokumentarfilm gedreht. Als Kritikerin aus der Ferne fühlt sie sich dem Kino näher, sie schreibt u.a. für fluter, die Berliner Zeitung und die Deutsche Presse Agentur.

Cosima M. Grohmann ist freie Journalistin und lebt in Berlin. Als Regie- und Produktionsassistentin hat sie bei diversen Filmproduktionen mitgewirkt, am Ende sogar einen eigenen Dokumentarfilm gedreht. Als Kritikerin aus der Ferne fühlt sie sich dem Kino näher, sie schreibt u.a. für fluter, die Berliner Zeitung und die Deutsche Presse Agentur.

Während die Branche ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Klage der UCI Kinowelt gegen die FFA richtet und gespannt auf das Urteil aus Karlsruhe wartet, stellt die DEFA ihre Fördergelder für 2014 ganz ein. Und in Berlin-Hoppegarten vergammeln gar Tausende von alten Filmrollen.

In Karlsruhe werfen sich in diesen Tagen die Richter ihre Robe über, um über die Klage der Lichtspielkette UCI und andere Kinobetreiber gegen die Filmförderungsanstalt (FFA) zu urteilen. In Berlin indes ziehen manche schon mal die Gasmaske an, wenn es um Film geht. Weil im Bundesarchiv in Berlin-Wilhelmshagen giftige Naphalin-Dämpfe austraten, durften die Mitarbeiter nur noch mit Schutzanzügen und Atemmasken ins größte Filmarchiv Deutschlands. Insgesamt 260.000 Schwarz-Weiß- und 360.000 Farbfilmrollen lagerten da, meist Material aus der Nachkriegszeit, also Wochenschauen, Spielfilme, Kurzfilme und Dokumentationen.

Dass man daraufhin neue Klimageräte aufstellte und die Frischluft komplett abstellte, nennt Bundesarchiv-Mitarbeiter Harald Brandes kurzerhand “Schwachsinn”. Denn jeder Laie weiß, dass alte Filmrollen mit der Zeit Dämpfe entwickeln, die erstens giftig sind und zweitens die Filmrolle trotz Sicherheitsfilm nicht ewig haltbar machen. Allerdings vermutet man auch noch andere Ursachen für die Gase: Eine Teerblase soll sich unter dem alten Gemäuern gebildet haben. Klingt nicht wie 2013, in dem man hochtechnisierte Archiv-Anlagen für das deutsche Filmerbe vermutet? Ist aber so.

Wegen der katastrophalen Zustände – die Mitarbeiter durften am Schluss nur noch maximal eine halbe Stunde ins Archiv und klagten über Kopfschmerzen und Übelkeit – zog das Bundesarchiv um. In ein Aktenarchiv in Berlin-Hoppegarten. Neben dem Umstand, dass ein Aktenarchiv als Lagerungsstätte für ein Filmarchiv kaum besser geeignet sein kann als ein verseuchter Lagerplatz, kam es dort – man nennt es in Hoppegarten einen “unglücklichen Zufall” – zu einem Wassereinbruch. Tja, schade, wieder ein paar Filmrollen weggeätzt, äh, weggeschwommen. Nun ist es nicht so, dass kein neues, intaktes Filmarchiv in Planung wäre: Seit den Neunzigerjahren denkt man über den Bau eines zentralen Filmarchivs nach, aber ach, der Bau wurde wegen Unklarheiten über die Folgekosten nie begonnen.

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22. Dezember 2013 | In Sonstiges | Kommentare deaktiviert

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