Das Schweigsame eint uns mit Haneke


Woran erkennt man seine Mutter? Die Zwillinge fürchten, dass eine Fremde (Susanne Wuest) die Kontrolle übernimmt. © Koch Media

Woran erkennt man seine Mutter? Die Zwillinge fürchten, dass eine Fremde (Susanne Wuest) die Kontrolle übernimmt. © Koch Media

Mit „Ich seh, ich seh“ erschuf das österreichische Duo Veronika Franz und Severin Fiala einen Debütfilm der besonders düsteren Art. Im Interview erzählen die beiden wie sie ihre Geschichte verstehen, was kollaboratives Arbeiten für sie bedeutet und wie hilfreich das deutsche Fernsehen manchmal für den Arbeitsprozess sein kann.

Ich seh, ich seh“ wurde als so einiges bezeichnet: Horrorfilm, Psychothriller, Mindgame Movie. Haben Sie genrespezifisch Präferenzen oder ist „Ich seh, ich seh“ irgendetwas dazwischen?
Severin Fiala:
Was wir machen wollten, ist natürlich ein Film, der uns beiden gefällt. Das war das Ziel, ob wir alles Geplante erreicht haben, wissen wir aber nicht. Wenn man arbeitet, verliert man den Blick dafür, ob das Schwachsinn ist, oder nicht.
Veronika Franz: Psychoterrorkammerspiel, hab ich das immer gerne genannt. Aber wir haben nicht in Genres gedacht, als wir mit dem Film angefangen haben. Zuerst ist „Ich seh, ich seh“ ein atmosphärischer Film, fast schon Arthouse, auch ein Psychothriller, später entwickelt er sich zu einem physischeren, vielleicht einem Horrorfilm. Das hat die Geschichte geboren. Wir haben es wahrgenommen und uns dafür entschieden.
Fiala: Wir sitzen beim Schreiben nebeneinander und es geht hauptsächlich darum, Ideen hin und her zu werfen und uns das erste Publikum zu sein. Wir wollen den anderen natürlich überraschen, insofern ist es vielleicht ein Film, der seine Tonart ändert und immer wieder in etwas anderes kippt.
Franz: Dass es eben nicht so weitergeht, wie es am Anfang ausschaut, finden wir als Spiel, auch mit dem Zuschauer, gut. Sowohl formal als auch inhaltlich. Der Film ändert sich ja auch ästhetisch im letzten Drittel. Das gefällt uns.

Weiterlesen: Unsere Kritik „Vertrauensfrage zum Film…

Aber es war schon klar, dass Alltagshorror das grundsätzliche Thema sein würde?
Franz:
Ja, es gab eine Ausgangssituation: Eine Mutter, die nach einer Operation zurückkommt und von den Kindern nicht erkannt wird – oder zumindest bezweifelt wird. Diese Idee hat uns die deutsche Dokusoap „Extrem Schön“ gegeben. Wir haben das ein paar Mal gesehen. Am Schluss werden da immer die Familien wiederzusammengeführt, die rundum erneuerte Mutter tritt auf und es gibt diesen Moment, wo die Kinder da stehen und schauen. Sie sind oft sehr irritiert und überrascht und zweifeln. Einmal war da eben ein Mädchen, das hat zu ihrem Papa gesagt: Das ist nicht die Mama. Richtig überzeugt.
Diese Idee haben wir konsequent weitergedacht. Wissend, dass es Kinder oft beschäftigt, wie jemand ausschaut. Das war sozusagen der Ausgangspunkt. Und auch die Frage, wie sehr darf sich eine Mutter eigentlich verändern. Kann man als Mutter auch jemand verschiedenes sein. All diese Fragen nach Identität.

Hier einige Eindrücke vom Film …

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29. Juni 2015 | In Allgemein

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