COFFI-Festival: Ein Stück "Italianità" in Berlin


Die Willner Brauerei in Pankow ist Spielstätte des COFFI.

Die Willner Brauerei in Pankow ist Spielstätte des COFFI.

Alessandro Melazzinis Dokumentarfilm „Monaco, Italia: storie di arrivi in Germania“ von 2011 (zu sehen am 11. Juli 18:30 Uhr) feierte bei seinem Erscheinen in Italien große Erfolge. Die acht Geschichten von italienischen Immigranten in München berühren ihr Publikum. Aaus Italien wandern seit dem 19. Jahrhundert viele Arbeiter in den Norden oder nach Übersee aus. In den Anfängen betraf dies insbesondere Italiener mit bescheidener Ausbildung aus den südlichen Regionen, seit einigen Jahrzehnten finden auch Hochqualifizierte aus ganz Italien im Ausland eine Chance auf berufliche Entwicklung. Der Film porträtiert Vertreter beider Gruppen, lässt alle Beteiligten direkt zu Wort kommen und schafft somit ein authentisches filmisches Dokument über das Thema Heimat, kulturelle Identität und die Konsequenzen der Aus- bzw. Einwanderung.

Ein kurzer, aber einfühlsamer Film greift auf fiktive Art die Probleme auf, die Italien mit seinen ausländischen Einwanderern hat. In „Piume“ (zu sehen am 11. Juli um 16 Uhr und 12. Juli um 15:30 Uhr) von Adriano Giotti arbeitet ein junger Süditaliener in einem Geflügelschlachthof. Die meisten seiner Kollegen sind Schwarze. Samuele geht ihnen so gut wie möglich aus dem Weg, mag sie nicht und vertritt auch gegenüber seinem kleinen Sohn die Ansicht, dass „diese“ Menschen unzuverlässig und schlicht schlecht seien. Seine Meinung ändert sich, als ein schwarzer Kollege ihm das Leben rettet. Die Schwarz-Afrikaner werden in Italien „extracomunitari“ oder „marocchini“ genannt; Bezeichnungen, die sich eingebürgert haben, trotzt ihrer unlogischen Bedeutung, da „extracomunitari“ eigentlich alle Nicht-EU-Bürger meint und „marocchini“ Marokkaner, aber von dort wandern nur sehr wenige nach Italien.

Im gleichen Kurzfilmprogamm für Kinder läuft neben „Piume“ auch der amüsante und herausragende „Thriller“ von Giuseppe Marco Albano (zu sehen am 9. Juli um 19:30 Uhr und 12. Juli um 15:30 Uhr). Der zwölfjährige Michele aus Apulien träumt davon, in einem Fernsehtalentwettbewerb seinen Michael Jackson-Moonwalk vorzuführen. Der Vater hat ihm versprochen, ihn nach Rom ins Studio zu fahren, doch der Streik in seiner Fabrik kommt dazwischen. Albanos Film muntert einerseits das Publikum auf, an seinen eigenen Träumen festzuhalten, andererseits bietet es einen Einblick in süditalienische Verhältnisse mit einer großen Familiensolidarität und der angespannten wirtschaftlichen Lage – besonders charmant und interessant, da traditionell im Ausland wenig bekannt, ist das Jonglieren der Protagonisten zwischen dem Hochitalienisch und dem Apulischen, einer eigenen Sprache, für die bereits Norditaliener auf die englischen Untertitel angewiesen sein werden. Der Film hat verdientermaßen den italienischen Filmpreis David di Donatello 2015 gewonnen.

Teresa Vena

COFFI – Italian Film & Art Festival vom 9. bis 12. Juli 2015 in der Willner Brauerei, Berliner Straße 80-82
Das ausführliche Programm finden Sie hier.

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5. Juli 2015 | In COFFI

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