MMiFF auf Madeira: Farbtupfer


Ricardo Goncalves führt das Cine Sol auf Madeira. Foto: Roland Owsnitzki

Ricardo Goncalves führt das Cine Sol auf Madeira. Foto: Roland Owsnitzki

Zwischen den wuchtigen Gesteinsformationen und einer Pflanzenwelt, die sich zum Ziel gesetzt haben scheint, den existierenden Grün-Schattierungen immer neue hinzuzufügen, tut sich eine dieser zahllosen imposanten Buchten Madeiras auf, in der das Dorf Ponta Do Sol an der Ozean-Küste residiert. Es sei der Ort der Insel, der mit den meisten Sonnenstunden gesegnet sein soll. Eben jener Ort, beheimatet das „MMiFF“, das „Madeira Micro Film Festival“, das im Dezember seine vierte Ausgabe feierte.

Vor einigen Jahren hat der in Berlin beheimatete Michael Rosen, der Initiator des Festivals, Madeira als den perfekten Spot für Hochkultur entdeckt. Seitdem veranstaltet er gemeinsam mit dem dortigen Design Hotel „Estalagem Da Ponta Do Sol“ zu Monatsanfang ein Festival für elektrische Musik und im Anschluss das MMiFF. Spielstätten sind ein modernes Kulturzentrum, das seinen Namen dem Großstadtromancier John Dos Passos verdankt und das altehrwürdige „Cine Sol“. „Das Kino habe ich schon in meinem ersten Jahr auf Madeira entdeckt, es war allgegenwärtig auf der anderen Seite der Klippe.“, erinnert sich Rosen, der diesen Ort unbedingt wieder beleben wollte. Das pittoreske Lichtspielhaus wacht geradezu majestätisch über das Dorf und gewährt von seinem Dach einen traumhaften Blick über den Atlantik. 1933 von Antonio Marques Teixeira mit eigenen Händen erbaut, verstarb der Cineast nur zwei Jahre später, aber seine Liebe zum Kino vererbte er an seine Nachfahren. Sein mittlerweile selbst betagter Enkel Ricardo Goncalves, ein weltmännischer Lebemann, der charmant mit seinen Gästen parliert, kümmert sich heute um den Erhalt des Vermächtnisses. Rosen konnte ihn mit seinem Enthusiasmus für die Idee gewinnen. Er gehört zum kleinen cinephilen Team, das ein Festival erschafft, das sich perfekt in in den natürlichen Rhythmus seiner Umgebung integriert.

Das Programm ist übersichtlich und bewusst schlank gehalten. Da MMiFF zeigt zwei Langfilme pro Tag, die das Festivalteam bei „anderen, anspruchsvollen, von uns geschätzten Festivals entdeckt“, so Rosen. Jedem der Festivalfilme geht ein Kurzfilm voran. „Wir achten darauf, an jedem Festivaltag sehr unterschiedliche Filme zu zeigen, die wirken können.“ Das bei Filmfesten oft übliche fliegende Wechseln von Kino zu Kino und Film zu Film, entfällt komplett. Die Gäste sollen am Tag die Paradiesinsel erkunden können und müssen abends nicht von einem Film zum nächsten hetzen. „Das unterscheidet uns von konventionellen Festivals. Wir geben der inhaltlichen Qualität den Raum den sie braucht.“ … und eine Umgebung, die selbst für manch fantastische Erzählung erschaffen sein muss, möchte man ergänzen.

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25. Dezember 2015 | In Allgemein

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