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"Cosmos" ein Höhepunkt de 2. Woche der Kritik. © alfama films

“Cosmos” ein Höhepunkt de 2. Woche der Kritik. © alfama films

Die Woche der Kritik hat sich zum zweiten Mal parallel zur Berlinale in den Hackesche Höfe Kinos mit der Reflexion über die verschiedenen Formen der Filmkunst auseinandergesetzt. Unter aussagekräftigen Programmpunkten wurden vom 11. bis 18. Februar außergewöhnliche Filme ohne regulären deutschen Kinostart gezeigt und unter Beteiligung der Filmemacher und internationaler Filmkritiker diskutiert. Dabei wurde das Festival in diesem Jahr von einem tragischen Ereignis überschattet. Der polnische Regisseur Andrzej Żuławski ist am 17. Februar im Alter von 75 Jahren in Warschau verstorben. Sein letzter Film nach einer 15-jährigen Pause feierte hier unter dem Schwerpunkt “Weltenbauen” eine Deutschlandpremiere.

Cosmos” ist Żuławski stürmische und atemlose Liebeserklärung an das Kino und die Literatur, basierend auf einem Roman von Witold Gombrowicz. In großartigen Bildern schildert er die Geschichte des gescheiterten Studenten und Schriftstellers Witold (Jonathan Genet) und seines Freunds Fuchs (Johan Libéreau), die ein paar Tage im Gästehaus einer französischen Familie in Portugal verbringen. Ein aufgehängter Vogel im Wald, geheimnisvolle Zeichen an der Decke des Gästezimmers und Witolds unsterbliche Liebe zu der schönen jungen Lena (Clémentine Pons) werfen Fragen auf und heben ihre Welt komplett aus den Fugen. Żuławski war niemals ein Vertreter der subtilen filmischen Stilmittel. So gipfelt auch dieser Taumel aus Eifersüchten in lauten, hysterischen Szenen, durchsetzt von Anspielungen auf Bresson, Sartre und immer wieder Pasolini. Dabei entlarvt er das absurde Chaos gegen Ende bewusst als in Szene gesetzte Filmwelt.

Weiterlesen: Unsere ausführliche Kritik “Ein ‚Cosmos’ für sich” von Magdalena Kotzurek…

Doch nicht nur fiktive Erzählungen wurden bei der Woche der Kritik verhandelt. Pablo Agüeros “Eva Doesn’t Sleep” ist ein filmisches Reenactment eines bedeutenden Ereignisses in der argentinischen Geschichte. In Archivaufnahmen wird der Personenkult der als Evita bekannten Präsidentengattin Eva Péron und ihre Anziehungskraft auf die Arbeiterklasse des Landes vorgeführt. Als sie 1952 im Alter von 33 Jahren verstarb, wurde ihr einbalsamierter Körper in einem Sarg mit gläsernem Fenster aufgebahrt. Nach dem Sturz von Präsident Péron durch einen Staatsputsch ließ die Militärdiktatur ihren Leichnam für 16 Jahre aus der Öffentlichkeit verschwinden. “Eva Doesn’t Sleep” rekonstruiert in langen Plansequenzen einen hypothetischen Ablauf dieser historischen Ereignisse. Die auf theatralische Weise inszenierten Szenen stehen dabei den historischen Archivaufnahmen entgegen. Das Ergebnis ist eine politische Geistergeschichte, in der es weniger um Evitas sterbliche Überreste an sich, als vielmehr um die damit verbundene Aura und Symbolik ihrer Person geht. Ein Versuch der Geschichtsschreibung abseits der fundierten kanonischen Inhalte der Geschichtsbücher.

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24. Februar 2016 | In Woche der Kritik | Kommentare deaktiviert

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