26 Berlinale-Highlights und Insidertipps


Der tägliche Weg - um jeden Preis versucht die 17-jährige Raya, Normalität zu bewahren. Foto: Berlinale 2016

Der tägliche Weg – um jeden Preis versucht die 17-jährige Raya, Normalität zu bewahren. Foto: Berlinale 2016

„Es esmu šeit“ (Mellow Mud) von Renārs Vimba (Lettland)

Darum geht es:
Klarkommen. Bloß nicht anderen vertrauen und Hilfe suchen. Sich nur auf sich selbst verlassen. Ungefähr so denkt die 17-jährige Raya, als ihre Oma stirbt und ihr kleiner Bruder und sie plötzlich alleine in der Hütte irgendwo im lettischen Nirgendwo sitzen. Sie setzt alles daran, dass ihr Leben so normal wie möglich weitergeht. Die Aussicht auf eine mögliche London-Reise zu ihrer Mutter und die Schwärmerei für ihren Englischlehrer treiben das Mädchen an. Mit ungewöhnlicher Härte und jeder Menge Tricks organisiert die hübsche Raya den Alltag. Doch der gleitet ihr nach und nach aus den Händen und mit der Zeit bröckelt auch Rayas so mühsam aufrecht erhaltene Schutzmauer.

Was du zum Film wissen musst:
Der Film lässt sich Zeit. Mit der Erzählung, mit den Einstellungen, mit allem. Ein Film, so vordergründig spröde und still wie seine Hauptdarstellerin, in deren Gefühlswelt man so nachhaltig einsinkt, wie sie selbst in den schlammigen Morast auf dem Weg zu ihrer Hütte.

Termine bei der 66. Berlinale:
Sonntag, 14. Februar um 13 Uhr im HKW
Montag, 15. Februar um 15.30 Uhr im Cubix 8
Sonntag, 21. Februar um 14 Uhr im CinemaxX 3

"Starless Dreams" von Mehrdad Oskouei versucht unschuldigen Mädchen ihre Stimme zurückzugeben. Foto: Berlinale

„Starless Dreams“ von Mehrdad Oskouei versucht unschuldigen Mädchen ihre Stimme zurückzugeben. Foto: Berlinale

Royahaye Dame Sobh (Starless Dreams)

Darum geht es:
In einem iranischen Korrektur- und Rehabilitierungszentrum beobachtet die Kamera die hier eingesperrten Mädchen, die wegen Mord, Drogenhandel oder anderer Gewaltdelikte einsitzen. Doch statt harter oder abgestumpfter Charaktere trifft der Zuschauer auf unendlich zarte und sanfte Mädchen, die fast alle das gleiche Schicksal teilen. Zäh versuchen sie dem Leben und ihrem Schicksal zu trotzen.

Was du zum Film wissen musst:
Sieben Jahre brauchte Regisseur Mehrdad Oskouei, um endlich die Erlaubnis zu erhalten, mit den Dreharbeiten zum Film zu beginnen. Sein Film ist der erste, der über diese Mädchen-Strafanstalten im Iran berichtet. Der Film versucht den unschuldigen Mädchen ihre Stimme zurückzugeben, die ihnen von ihren Familien und einer gnadenlosen Gesellschaft genommen wurde. – SuT

Termine bei der 66. Berlinale:
Di 16.02. 15:30 Zoo Palast 1
Mi 17.02. 13:00 HKW
Do 18.02. 14:00 CinemaxX 3

Mäuschen spielen im Klassenzimmer der "6A". Foto: Lisabi Fridell

Mäuschen spielen im Klassenzimmer der „6A“. Foto: Lisabi Fridell

„6A“ von Peter Modestij (Schweden)

Darum geht es:
Der kürzeste Langfilm der Generation 14Plus (61 Minuten) ist gleichzeitig auch einer der anstrengendsten. Der Zuschauer spielt Mäuschen bei einem Elternabend der besonders brisanten Art. Die neue Klassenlehrerin der 6A hat die Dreier-Mädchenclique um Denise geladen sowie alle Eltern ihrer Klassenkameradinnen, wohlgemerkt nur die Mädchen-Eltern. Es geht um Mobbing, zumindest vordergründig. Denise und ihre beiden Busenfreundinnen sollen systematisch anderen Mädchen der Klasse das Leben schwer machen.

Was du zum Film wissen musst:
Auf den ersten Blick ein klarer Fall von „drei Obertussis terrorisieren ihre Mitmenschen“. Doch dann sind da die teils überengagierten, teils unterinformierten Eltern, deren Fassaden nach und nach bröckeln. Und die zarte, pädagogisch bemüht wirkende Lehrerin, deren Loyalität und Aufmerksamkeit wohl doch nicht allen Schülerinnen gleichermaßen zuteil wird. In ungewöhnlicher Doku-Handkamera-über-die-Schulter-schau-Marnier entblättert Regisseur Peter Modestij die Abgründe der drei unterschiedlichen Parteien. Das Gezeter und Gezerre hält der Zuschauer kaum länger als diese 61 Minuten aus, am Ende ist er ähnlich hilflos und angestrengt, wie alle Beteiligten. Diese Klassenzimmersituation so authentisch und direkt präsentiert zu bekommen, ist heftig. Weil sie zeigt, wie oft wir Vorurteilen und Gerüchten auf den Leim gehen und wie viel Kraft es kostet, sich mit den Zwischentönen zu beschäftigen.

Termine bei der 66. Berlinale:
Mittwoch, 17. Februar um 10 Uhr im HKW
Freitag, 19. Februar um 14.30 im CinemaxX 1
Samstag, 20. Februar um 16.30 Uhr im CinemaxX 3

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