Asiatisches Kino in Topform auf dem Black movie in Genf


WebDie letzte Januarwoche gehört in Genf dem Black movie. Das Festival verpflichtet sich dem unabhängigen internationalen Filmschaffen und legt insbesondere einen Fokus auf Produktionen aus Lateinamerika, Asien, Afrika und Osteuropa. Die Filme eint ihre außergewöhnliche künstlerische Position und ihre Position abseits des Mainstreams.

Von außen wirkt die geschäftige Schweizer Stadt mit ihrer hohen Dichte an Banken, Luxushotels und Sternerestaurants elitär. Sie scheint wenig Platz für eine alternative Kulturszene zu bieten. Tatsächlich lassen sich traditionellerweise viele Superreiche (Michael Schumacher, Ikea-Besitzer, etc.) am idyllischen Genfersee nieder. Schon immer war Genf Schauplatz für das mondäne Leben der internationalen (selbsternannten) Intelligenzija, hier wurde Elisabeth „Sissi“ von Habsburg ermordet, unter den Regisseuren wählte Charles Chaplin es zu seinem Exil, es galt für Claude Chabrol als Inspirationsquelle und noch heute wohnt Alan Parker in einer im Tudorstil umgebauten Villa mit Blick auf den See.

Unterschätzt wird das Potenzial Genfs im Bezug auf die alternative Szene. Die existiert nämlich, auch wenn sie sich in den letzten 20 Jahren stark verkleinert hat. Die letzten besetzten Häuser wie das überregional bekannte „Rhino“ sind geräumt worden. Noch Anfang der 2000er Jahre lebte ein großer Teil der Geschichtsstudenten in dieser Groß-WG. Die Zeiten aus „Pas de café, pas de télé, pas de sexe“ (1999) von Romed Wyder sind endgültig vorbei. Eine der letzten alternativen Bastionen ist die „usine“ (Fabrik) in der auch das Kino Spoutnik untergebracht ist, eine der Spielstätten des Black movie. Man fühlt sich ins Berliner Tacheles versetzt, auch wenn es den Schweizer Verhältnissen entsprechend viel braver und sauberer ist.

Das Hauptquartier des Black movie, das in diesem Jahr zum 17. Mal stattfindet, ist die Maison des arts du Grütli („Grütli“, deutsch „Rütli“, bezeichnet die legendäre Ebene in der heutigen Zentralschweiz, auf der drei Sennen einen Schwur leisteten und Helvetia gründeten) und ist in der Größe ungefähr mit dem Arsenal in Berlin vergleichbar. In diesem Jahr entwickelte das Festival drei thematische Schwerpunkte:
Zu sehen war eine kleine Retrospektive zum Regisseur Ousmane Sembene aus Senegal, der als „Vater des schwarzen Films“ bekannt wurde und seit den 1960er Jahren sozialkritische Werke produzierte. Die Werke der jüngeren Autoren des afrikanischen Kontinents überzeugen nur bedingt. Den Filmen haftet etwas Amateurhaftes an, was nicht nur am Mangel an finanziellen Mitteln liegt. Rein thematisch gäbe es nämlich Potenzial für Außergewöhnliches wie in „Neckie Youth“ von Sibs Shongwe-La Mer, in dem es um die verlorene Jugend in Südafrika geht oder in „Ojuju“ von C.J. „Fiery“ Obasi, in dem sich Kiffer in Zombies verwandeln und den ganzen Ort infizieren.

Weiterlesen: Unsere Kritik zu Why me?“ von Tudor Giurgiu, der 2015 an der Berlinale gezeigt wurde.

Rumänien als Filmland stand ebenfalls im Rampenlicht. Eine junge Generation rumänischer Autoren beschäftigt sich in ihren Filmen mit den kulturellen Folgen der Ceausescu-Diktatur. Korruption des Staatsapparates („Why me?“ von Tudor Giurgiu), Misstrauen gegenüber Nachbarn und Mitmenschen im Allgemeinen („One Floor Below“ von Radu Muntean) sowie sozialer Aufstieg („Back Home“ von Andrei Cohn oder „The Treasure“ von Corneliu Porumboiu) sind die wiederkehrenden Themen. Auf formaler Ebene zeichnen sich die Filme durch eine einfache, statische Kameraführung, die nahe an den Protagonisten bleibt und einer linearen, konventionellen Erzählstruktur, aus.

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3. Februar 2016 | In Allgemein

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