Gewinner bejubeln Preise bei achtung berlin 2016


Der new berlin film award in der Kategorie Bester Mittellanger Film

KOSMONAUTENSEHNSUCHT
Regie: Catharina Göldner

Begründung der Jury Mittellanger Film:
„Wir werden wohl nie erfahren, ob die geheimnisvolle Kosmonautin, nach der sich Miriam so sehnt, wirklich existierte. Was wir aber erfahren, ist der leicht verrückte Kosmos von Miriam und ihre Suche nach dem Glück. Mit großer Empathie für ihre Hauptfigur, warmem Humor und vielen originellen Einfällen, nehmen uns die Regisseurin Catharina Göldner und ihre wunderbare Hauptdarstellerin Katharina Behrens mit auf eine Reise durch Berlin und Brandenburg. Und am Ende wissen wir, dass nicht immer die große Sehnsucht das größte Glück birgt, sondern es uns manchmal ganz unvorhersehbar und plötzlich begegnet. Wir gratulieren der Regisseurin und ihrem ganzen Team zu einem berührenden, tollen Sommerfilm!“

Der new berlin film award in der Kategorie Bester Kurzfilm

MERAL, KIZIM
Regie: Süheyla Schwenk

Begründung der Jury Kurzfilm:
„Das Schicksal hat der Mitte 20-jährigen Meral einen harten Schlag verpasst. Eine Krankheit lähmt sie vom Hals abwärts. Das ist der Ausgangspunkt des Films MERAL, KIZIM. Wer jetzt glaubt, dass er ein schweres Drama, voller Ausweglosigkeit vor sich hat, täuscht sich gewaltig. Denn die Regisseurin und Autorin Süheyla Schwenk hat sich entschieden aus Meral kein Opfer zu machen, sondern eine lebensbejahende junge Frau, die noch viel vor hat in ihrem Leben, obgleich sie sich keine Illusionen macht, dass ihr körperlicher Zustand sich je verbessern wird. Eine Erkenntnis, die sie ihrem Umfeld weit voraus hat. Denn weder ihre sehr konservativen türkischen Eltern noch ihr deutscher WG-Mitbewohner wollen wahrhaben dass Meral ihr restliches Leben querschnittsgelähmt sein wird. Und so ist sie ironischer Weise ständig damit beschäftigt die anderen zu trösten, statt sich selbst. Meral ist also trotz ihrer totalen Abhängigkeit bei weitem die Stärkste von allen.
Besonders berührt haben uns die Szenen zwischen Meral und ihrer sehr viel jüngeren Schwester Asiye, die scheinbar einzige Person, die sie so akzeptiert wie sie ist. Ob zum Rumalbern oder Kuscheln, Asiye verbringt gerne Zeit mit ihrer großen Schwester, daran ändert deren Lähmung nichts. MERAL, KIZIM ist eine sehr liebevolle und mutige Geschichte, die nicht die Handschrift einer Universität, sondern die einer souveränen Filmemacherin trägt.“

Lobende Erwähnung spricht die Jury Kurzfilm aus für:
IRGENDWO ANDERS
Regie: Borbála Nagy

Der new berlin film award in der Kategorie Bester Dokumentarfilm Mittellang/Kurz

THE DEMON, THE FLOW AND ME
Regie: Rocco di Mento

Begründung der Jury Kurzfilm:
„Aus einer Reihe von sehr gelungenen kurzen und mittellangen Dokumentarfilmen ragt THE DEMON THE FLOW AND ME von Rocco di Mento heraus, weil wir als Zuschauer, wenn das Licht wieder angeht, mit einem anderen Blick auf die Welt schauen und uns über die eigenen Konventionen wundern, die uns zuvor gar nicht groß aufgefallen waren. Aber von vorn, als das Licht im Saal noch aus war, zurück zu den ersten Bildern des Films, die uns einen ungewöhnlichen Mann an seinem noch viel ungewöhnlicheren Wohnort präsentieren: Ein alter vermutlich nicht mehr fahrtauglicher und mit zahlreichen nicht einzeln auszumachenden Objekten vollgestopfter Chrysler Cordoba, hinter einem Gittertor auf einer Brache am Westhafen in Berlin.
TJ, so der Name des Mannes, ist der Gesellschaft abgewandt, ein Aussteiger, der einsam in der Nacht durch die Stadt streift und aus Containern Delikatessen zusammen sucht, die er mit dem Bunsenbrenner auf der Motorhaube flambiert bevor er sie genussvoll verspeist und dabei voller Überzeugung (und völlig überzeugend) das Leben lobt, dass ihm dieses Glück beschert. Nachts spielt er mit den Ratten, die auch in seinem Ami-Schlitten wohnen. Für den Fall, dass eine davon zu groß und auf Krawall gebürstet ist, hat er sich eine Lanze gebastelt, mit der er notfalls die Machtverhältnisse im Wagen sehr deutlich klarstellen kann, wie er dem Filmteam am nächsten Morgen anhand eines Kadavers unterm Auto vorführt. Dass er auch die Machtverhältnisse im Film auf den Kopf stellen kann, beweist er kurz darauf dem um Vertrauen werbenden Filmemacher. Die Frage liegt auf dem Tisch (oder besser auf der Motorhaube): Was ist Dokumentarfilm? Was als Portrait begann, wird nun zu einem Austausch zwischen Protagonist und Filmemacher/Filmteam, bei dem auch mal die Rollen getauscht werden, man sich näher kommt, eine Beziehung aufbaut, die Welt und ihre Ordnung neu verhandelt und es uns als Zuschauer am Ende nicht mehr wundert, wenn wir mit TJ an einer Kirchenorgel sitzen und seiner neusten Komposition lauschen, die scheinbar einen seiner Lebensabschnitt in künstlerischer Form bringt. Orgelmusik hatte schon immer die Kraft (das wissen Kirchenleute und auch einige Filmemacher), die Welt und das Unerklärliche in einen Einklang zu bringen, der uns für einen kurzen Moment das Gefühl gibt, verstehen zu können – auch das Unverstehbare!“

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20. April 2016 | In achtung berlin

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