Nippon Connection: Ramen, Sushi und andere japanische Leckerbissen


NC16_Postkarte_de_gross-1Vom 24. bis 29. Mai präsentierte sich die 16. Ausgabe des Japanischen Filmfestivals Nippon Connection mit einer ausgewogenen Mischung aus einem sorgfältig kuratierten Filmprogramm bestehend aus rund hundert aktuellen Kurz-, Lang-, Dokumentar- und Animationsfilmen aus Japan sowie einer schönen Retrospektive für (Wieder-)Entdecker und Nostalgiker. Ein reichhaltiges kulturelles und kulinarisches Rahmenprogramm begeisterte in Frankfurt am Main nicht nur eingefleischte Otaku-Geeks.

Neben der Tatsache, dass man hier sowohl einen Einblick in das japanische Mainstream-Kino erhält, als auch filmische Rohdiamanten zu sehen bekommt, die unter Umständen weder hier noch in Japan in die Kinos kommen werden, trägt ganz bestimmt auch die beinahe schon familiär-entspannte und unprätentiöse Atmosphäre, mit der sich auf dem Festival Filmschaffende, Organisatoren und Publikum begegnen, zur allgemeinen euphorisierenden Stimmung der Nippon Connection bei.

In den sechzehn Jahren ihres Bestehens hat sich die Nippon Connection als feste Institution der japanophilen Film- und Kulturinteressierten etabliert, deren Ruf weit über das Rhein-Main-Gebiet hinaus reicht. Das durch den gemeinnützigen Verein Nippon Connection e.V. ehrenamtlich organisierte japanische Filmfest, das 1999 noch als studentische Initiative asienbegeisterter FilmstudentInnen startete, hat sich mittlerweile zum weltgrößten Festival für den japanischen Film außerhalb des Landes entwickelt – mit ganz viel Luft nach oben: Die Besucherzahlen steigen stetig, auch in diesem Jahr wurde der bisherige Rekord von 2015 mit mehr als 16.000 Besuchern gesprengt.

Neben seinem exquisiten Programm lockt das Festival mit hochkarätigen Gästen. So eröffnete die Nippon Connection in diesem Jahr mit der Verleihung des Nippon Honor Awards an Kiyoshi Kurosawa, einen der wichtigsten und wandelbarsten Regisseure des japanischen Gegenwartskinos und seinem Film “Journey to the Shore“, der 2015 in Cannes mit dem Preis für die beste Regie in der Sektion “Un Certain Regard” ausgezeichnet wurde. Das Festival zeigte außerdem “Cure” (1997) und “Tokyo Sonata” (2008), zwei bedeutende Filme aus zwei verschiedenen Etappen seiner Karriere, die ihm Ende der 1990er Jahre seinen Ruf als talentierter Genre-Regisseur einbrachte und ihn beinahe zehn Jahre später einem größeren internationalen Publikum bekannt machte. Außerdem im Programm auch sein neuester Geniestreich, der psychedelische Horror-Thriller “Creepy“, der bereits auf der Berlinale seine Weltpremiere feierte.

Weitere geladene Gäste waren, um nur einen winzigen Ausschnitt zu nennen: Daishi Matsunaga, Regisseur von “Pietà in the Toilet“, ein schön erzähltes, filmästhetisch wertvolles, absolut kitschfreies Krebsdrama über die letzten Wochen eines jungen Künstlers und dessen Umgang mit dem nahenden Tod. Der Film lief bereits Anfang des Jahres in Rotterdam und beendete die Nippon Connection. Im Anschluss an die Vorführung gab Matsunaga bereitwillig und sehr offen Auskunft über den persönlichen Hintergrund dieses Films, zu seinen Inspirationsquellen und seinem Schreibprozess, aber auch zu den Schwierigkeiten, sich als junger Filmemacher finanziell über Wasser zu halten. Diese Zeiten sollten nun aber endgültig vorbei sein, schließlich beweist Matsunaga mit diesem Film, dass er nicht nur ein talentierter Dokumentarfilmer ist – unter anderem zeichnete er sich für das sehr beachtete filmische Porträt eines befreundeten japanischen Transgender-Künstlers “Pyuupiru 2001 – 2008″ verantwortlich – sondern durchaus auch ein sensibler Geschichtenerzähler mit einem Auge für Ästhetik, Detail und Humanismus.

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13. Juni 2016 | In Sonstiges | Kommentare deaktiviert

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