Nippon Connection: Ramen, Sushi und andere japanische Leckerbissen



Sehr unterhaltsam waren der Produzent Adam Torel, der über wirklich sehr beeindruckende Japanisch-Kenntnisse verfügt, und der nach eigenen Angaben leicht beschwipste Kiyohiko Shibukawa, Protagonist von „Lowlife Love“ von Eiji Uchida, einer heiter-bissigen Nestbeschmutzer-Komödie über die Schattenseiten der japanischen „Independent-Filmszene“ – einer der heimlichen Hits des Festivals. Produzent Torel offenbarte unter anderem, dass er für die Entstehung des Films im ganz sprichwörtlichen Sinne sein letztes Hemd beziehungsweise seine Sammlung hochwertiger Vintage-Anzüge und seine Plattensammlung verkaufen musste.

Family Business oder Wenn einem das Lachen im Hals stecken bleibt

Lowlife Love“ als auch „Pink and Grey“ von Isao Yukisada oder Satoko Yokohamas „The Actor“ reihen sich in einen der thematischen Schwerpunkte des Festivals ein, wo zum Teil sehr witzig, aber auch sehr ernst Kritik an der japanischen Filmindustrie, dem dort vorherrschenden Studiosystem und der eigentlich nicht vorhandenen Finanzierung von unabhängigen Produktionen sowie den damit einhergehenden prekären Arbeits- und Lebensbedingungen für Filmschaffende geübt wird. In Japan teilen sich ein paar ganz wenige große Firmen die gesamte Versorgungskette filmischer Produktionen und decken neben den Studios gleich noch den gesamten Vertrieb und die Vermarktung bis hin zur Vorführung der Filme ab. Diese Monopolstellungen einzelner Firmen, die Tatsache, dass die meisten Filme nichts anderes als profitorientierte Auftragsarbeiten sind, sowie die stetig sinkenden Produktions- und Besucherzahlen in Japan – 2015 betrug der Anteil heimischer Produktionen nurmehr 55% am japanischen Markt, Tendenz sinkend – lassen Befürchtungen einer sich selbst verschlingenden, inzestuösen und einseitigen Filmindustrie nicht unbegründet.
Vor diesem Hintergrund klingt es fast wie Ironie, dass der in seiner Heimat extrem erfolgreiche Takeshi Kitano – hier einem größeren Publikum auch bekannt als Moderator der berühmt-berüchtigten TV-Spielserie „Takeshi’s Castle“ – mit seiner kurzweiligen Yakuza-Komödie „Ryuzu and the Seven Henchmen“ den mit 2000,- Euro dotierten Publikumspreis Nippon Cinema Award erhielt.

Dennoch gelingt es der Nippon Connection den japanischen Mainstream-Produktionen ebenso wie raren Filmperlen eine Leinwand zu bieten und diese quer durch die verschiedenen Sektionen in einen Dialog treten zu lassen, sodass ein umfassendes kinematographisch-zeitgeistiges Bild der japanischen Gesellschaft sichtbar wird. So setzten sich zahlreiche Filme mit sozialpolitischen Themen auseinander, wie beispielsweise dem in Japan deutlich spürbaren Generationenkonflikt, der Überalterung der Gesellschaft und der gerade auf den jüngeren Generationen lastende Leistungsdruck sowie dem schrittweisen Auseinanderbrechen der Familiengemeinschaften.

Der gleich zweifach ausgezeichnete Dokumentarfilm „Under the Cherry Tree„, der den Nippon Visions Audience Award und eine lobende Erwähnung der Nippon Visions Jury erhielt, zeichnet ein sensibles Bild der schleichenden japanischen Überalterung. Im Mittelpunkt dieses filmischen Dokuments, mit dem Kei Tanaka ihr Regiedebüt gibt, stehen die nicht mehr ganz jungen Bewohner eines Sozialbau-Komplexes, ihr Alltag mit der nur knappen Rente, ihre kleinen Freuden, aber auch deren stille Vereinsamung am Rande einer zunehmend auf ökonomischen Werten fußenden und sozial erkaltenden Gesellschaft.

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13. Juni 2016 | In Allgemein

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