Nippon Connection: Ramen, Sushi und andere japanische Leckerbissen



Es erscheint, als suchten die Filmemacher nach 3/11 nach einer neuen Filmsprache und einem neuen Umgang mit der Thematik. Sie kommen sehr viel stiller daher, als die ultimative Nachkriegs-Traumaverarbeitungsfigur Godzilla. In der allgemeinen Zurückgenommenheit der Affekte und den harten Kontrasten der monochromen Bilder spiegelt sich eventuell der Versuch der unsichtbaren Gefahr – der radioaktiven Strahlung – so etwas wie eine ästhetische Greifbarkeit zu verleihen.

Feuerwerk und Drachenzeichnungen

Ein Trend, den wir auf der diesjährigen Berlinale miterleben konnten, setzte sich auch hier fort: Netflix präsentierte auf der Nippon Connection „Hibana“ („Sparks)“, die erste japanische Serie aus dem eigenen Haus, die ab dieser Woche weltweit auf Netflix zu sehen ist. Darin geht es um zwei japanische Komiker und den Wert von Erfolg und Freundschaft im Showbusiness. Die schön erzählte Serie wird es allerdings vor einem westlichen Publikum vermutlich eher schwer haben, schließlich geht es um eine sehr spezielle Form der japanischen Comedy, den so genannten Manzai-Humor, der sich Außenstehenden nur schwer erschließt.

Kurz vor dem deutschen Kinostart schon bei der Nippon Connection auf großer Leinwand: "Miss Hokusai". (c) 2014 - 2015 Hinako Sugiura - MS.HS / Sarusuberi Film Partners

Kurz vor dem deutschen Kinostart schon bei der Nippon Connection auf großer Leinwand: „Miss Hokusai“. (c) 2014 – 2015 Hinako Sugiura – MS.HS / Sarusuberi Film Partners

An dieser Stelle darf einer der Exportschlager der japanischen Filmindustrie – der Animationsfilm – nicht unerwähnt bleiben, der neben dem erst einmal in den Winterschlaf versetzten Studio Ghibli auch noch Einiges mehr zu bieten hat, wie beispielsweise den historischen Animationsfilm „Miss Hokusai“ von Keiichi Hara über die in Vergessenheit geratene Tochter des großen japanischen Künstlers Hokusai, der 2015 mit dem Jury-Preis des Internationalen Animationsfilmfestivals in Annecy ausgezeichnet wurde. Der erzählt die Geschichte einer stolzen Frau, die zahlreiche Grafiken und Bilder im Namen ihres berühmten Vaters erschuf und zusammen mit ihm und dessen Lehrlingen in so etwas wie einer Junggesellen-WG hauste. Vor allem lohnt sich der Film jedoch, der ab dem 16. Juni auch hier in die Kinos kommt, aufgrund der geschickt einfließenden Bilder des unsterblichen Malers in die animierten Zeichnungen.

Weiterlesen: Unsere ausführliche Kritik „Feuerdrachen und rote Blüten„…

Das Festival ging dann genau so zu Ende, wie es sich für einen filmreifen Abschied gehört, mit einem ordentlichen Wolkenbruch und ein paar auf dem Weg zur U-Bahn von Ferne herüber wehenden schrägen Karaoke-Tönen.

Tatiana Braun

Die 16. Ausgabe des Japanischen Filmfestivals Nippon Connection fand von 24. bis 29. Mai 2016 in Frankfurt statt.

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13. Juni 2016 | In Allgemein

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