BFF Off Road: Die wunderschön seltsamen Blüten der Zukunft


Unsere Autorin Marie Ketzscher hat in Physik nicht viel aufgepasst, mag aber Animationsfilme und digitale Welten ganz gern. Auf der Ars Electronica in Linz hat sie einen Blick in die Glaskugel geworfen und völlig verrückte Dinge gesehen.

Unsere Autorin Marie Ketzscher hat in Physik nicht viel aufgepasst, mag aber Animationsfilme und digitale Welten ganz gern. Auf der Ars Electronica in Linz hat sie einen Blick in die Glaskugel geworfen und völlig verrückte Dinge gesehen.

Manchmal hilft nichts, manchmal muss man einfach die schiere Menge an Zahlen bemühen, um zu beschreiben, wie man ein Event erlebt hat. Über 80.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, 534 Events, über 800 Künstler, Wissenschaftler, Entwickler und sicherlich mehrere hundert Exponate – so war Linz, so war die Ars Electronica. Diese unvorstellbare Größenordnung des österreichischen Festivals für Kunst, Technologie und Gesellschaft, das bereits zum 37. Mal der innovativen Medienkunst huldigte, mag eine Erklärung dafür sein, warum die Gefühle und Eindrücke auch noch zwei Tage nach Veranstaltungsende völlig diffus in Kopf und Bauch herumschwirren. Man hat so viel gesehen, gelesen, gehört, angefasst – ja, was hat man da denn eigentlich erlebt?

Laut den Organisatoren hat man einen Blick in die Eingeweide der Zukunft geworfen, in 3D visualisiert und danach in das Material der nächsten Dekaden gegossen. Das Thema in diesem Jahr lautete nämlich “Radical Atoms and the Alchemists of our Time” und widmete sich der Frage, was nach dem Internet der Dinge und dem automatisierten Fahren die anstehenden Entwicklungen sind. Das Internet der bitte was? Selbst für den Durchschnittsbürger mit Facebook-Account und Smart Watch-Sehnsucht mag es sehr schwer sein, sich unter der Abstraktion einer digitalen Zukunft etwas Genaueres vorzustellen. Einen Teil der Antwort bot die Ars Electronica selbst an: Die Zukunft, das sei die Verschränkung von digitaler Pixel-Realität und analoger Atom-Realität, die beispielsweise in programmierbaren Materialien (Textilien, Kunststoffen, etc.) ihre Entsprechung findet. Die haptischen Erscheinungen dieser Entwicklung waren in der “Radical Atoms”-Ausstellung zu bewundern – beispielsweise jamSheets, kleine Matten, die mithilfe von Luftdruck ihren Zustand von weich zu hart verändern konnten: Mit einem einzigen Knopfdruck erlangt man eine weiche verstaubare Decke, oder eine harte Stuhloberfläche, auf der man sogar sitzen kann.

Die Exponate waren das eigentliche, das betörende Moment, obgleich zahlreiche Vorträge und Symposien den theoretischen Überbau ergründeten. Auch wer die Zukunftsthesen nicht verstand, konnte schließlich Stoffe streicheln, die sich mit der Berührung verformten, in eine Flüstermaschine flüstern und damit Metallscheiben in Schwingung versetzen, persönliche Daten ausstanzen und die Löcher dann mit einer Drehorgel als klingende Kreise auf den Screen bringen.

Seite: 1 2

18. September 2016 | In Sonstiges | Kommentare deaktiviert

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Comments are closed.