(Kurz-)Filmland China: Kurzfilme, die eine pessimistische Bilanz ausstellen


interfilm widmete 2016 dem Filmland China einen Fokus. Foto: interfilm

interfilm widmete 2016 dem Filmland China einen Fokus. Foto: interfilm

Hochhäuser schrauben sich in endlose Höhen, die Städte sind geprägt von einer nicht enden wollenden Geschäftigkeit des Höher, Schneller, Weiter und versinken dabei in schwarz-gräulichen Feinstaub-Nebelschwaden – alles auf Kosten der Lebensqualität des Individuums und einer traditionsreichen Kulturgeschichte.
In diesem Jahr legte das interfilm seinen filmischen Fokus auf China, eine große Filmnation, die vor allem für ihre opulenten historischen Dramen der Jahrtausendwende, ihre Martial-Arts-Filme und Bruce Lee bekannt ist. Zeitgenössische chinesische Produktionen bleiben außerhalb der großen Festivals weitgehend unbeachtet und vor allem der chinesische Kurzfilm hat es dabei besonders schwer. In China aber erfreuen sich Eigenproduktionen sehr großer Beliebtheit und auch der chinesische Animationsfilm erlebt gerade so etwas wie ein Revival, sodass sich die Universitäten vor Studienbewerbern wohl kaum retten können. Gerade im Rahmen der Universitäten entstehen zahlreiche sehr interessante künstlerische Strömungen, die es sich durchaus lohnt, einmal näher zu betrachten.
Umso schöner, dass das interfilm mit seinen rund 40 Filmen und insgesamt 5 verschiedenen Programmen aus dem Bereich Animations- und Realfilm einen Rundumschlag um das historische, aber auch das zeitgenössische chinesische Animations- und Kurzfilmschaffen abseits der typischen asiatischen Pop- und Animeästhetiken zu bieten hatte.

Die Filme stellten der chinesischen Gesellschaft eine eher pessimistische Bilanz aus. Sie thematisierten die zunehmende Verstädterung und Industrialisierung sowie die damit einher gehende massive Umweltverschmutzung. Auf sehr anschauliche Weise illustrierte das der liebevoll gezeichnete Kurzfilm “Forefinger Town” von Runze Cao, Zewei Jin und Han Yang. Darin geht es um eine Großstadt, deren Türme immer weiter in den wolkenverhangenen Himmel hinauf wachsen. Aufgrund der dauernden Bauarbeiten, gehen die Menschen hier nur noch mit gelben Bauhelmen aus dem Haus, um vor dem ständig vom Himmel fallenden Bauschutt geschützt zu sein. Eine kleine bucklige Oma lebt im Windschatten einer dieser überdimensionalen Wolkenkratzer. Täglich betritt sie ihren kleinen Hof, räumt fluchend den über Nacht von oben heruntergekommenen Schutt weg, zündet eine Kerze an und legt ein paar Blumen vor ihrem kleinen Schrein ab. Als auch ihr Grundstück schließlich dem allgemeinen Bauwahn weichen soll, beginnt die resolute Alte ihren Schrein auszugraben – dieser soll schließlich nicht den Baukränen überlassen werden. Dabei macht sie jedoch eine erstaunliche Entdeckung…

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7. Dezember 2016 | In Interfilm | Kommentare deaktiviert

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