MMiFF: Kontraste in grün


Auf einer der beiden Klippen, die Ponta do Sol einrahmen, thront das Cine Sol. Foto: Roland Owsnitzki

Auf einer der beiden Klippen, die Ponta do Sol einrahmen, thront das Cine Sol. Foto: Roland Owsnitzki

In den großen Arbeiterhänden von João wirkt das halbgeleerte Rotweinglas winzig. Der braungebrannte Segler undefinierten Alters lehnt an das Mauerchen vor dem Cine Sol, dem prachtvollen art deco-Kino von 1933, in dem das Madeira Micro Film Festival (MMiFF) seine Spielstätte neben dem deutlich moderneren Dos Passos Center findet. Wenige Minuten zuvor war die spanische Animation “Psiconautas, the Forgotten Children” von Alberto Vázquez und Pedro Rivero zu Ende gegangen, der Abschlussfilm des Filmfestes, das jedes Jahr im Dezember stattfindet. In düsteren Bildern blickten darin die Besucher in die geschundenen Seelen Überlebender, die nun eine Welt nach dem Kollaps des Ökosystems im Ausnahmezustand bewohnen müssen. Eine Welt, in der kaum ein Funken Hoffnung schimmert.

Vielleicht schwingt die Stimmung der Dystopie mit, als João erinnert wie sein Ponta do Sol früher aussah: Noch vor wenigen Jahren führte eben diese schmale Kopfsteinpflasterstraße auf der sich das Festivalpublikum gerade tummelt als Landstraße zum Nachbarort Madalena do Mar. Direkt an dem Kino vorbei, das heute so majestätisch auf der Klippe über das Dorf wacht. Eine unwirkliche Vorstellung.

João hat selbst die Welt bereist und wünscht sich, dass bald noch mehr Menschen den Weg in seine geliebte Heimat finden. Nur so habe Ponta do Sol und auch ganz Madeira eine Zukunft. Touristen sollen kommen und dieses Paradies mitten im Atlantik entdecken. Neben den vielen Rentnern, die Flora und Fauna schon seit einiger Zeit zu schätzen wissen, meint er damit junge Menschen, wie den Berliner Michael Rosen, der das Festival mit dem Estalagem Hotel, das auf der dem Kino gegenüber liegenden zweiten Klippe, die das Dorf gemeinsam in ihre Mitte nehmen, veranstaltet, nachdem er sich vor Jahren in den Ort und sein altes Lichtspielhaus verliebt hatte. Es gilt Angebote zu schaffen, die die Jugend an die Insel binden.

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10. Januar 2017 | In Sonstiges | Kommentare deaktiviert

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