Radlmaier: "Kommunismus ohne Kommunisten"


Wie wichtig ist es, dass der Film eine politische Aussage hat?
Radlmaier: Bei mir sind oft politische Fragen der Ausgangspunkt, plus ein ein paar ästhetisch-politische Grundannahmen. Die verwirren und verkomplizieren sich dann hoffentlich unterwegs ein wenig, gleichzeitig aber gibt es einen affirmativen Kern: Der Film glaubt schon an etwas und traut sich auch, das zu benennen. Er glaubt auch, dass es Sinn macht, einen vergessenen und verteufelten Begriff wieder aufzugreifen, mit diesem zu spielen und ihn auf einen wahren Kern zu befragen, der eben nicht von der Geschichte befleckt ist, wie vielleicht das Wort, das ihn bezeichnet: Kommunismus. Um klarzustellen, dass es hier nicht um ”bessere Arbeitsbedingungen” geht, sondern um eine fundamentale Kritik an der Verteilung der Plätze und Tätigkeiten in der Gesellschaft. Natürlich denke ich aber nicht, dass jeder Film mit politischen Begriffen jonglieren muss. Ich glaube aber, dass jede Erzählung und jede filmische Form sich politisch verhält, und es also besser ist, ein Bewusstsein für die politischen Implikationen der eigenen Arbeit zu haben.

Wie lange dauerte die Arbeit am Film?
Radlmaier: Insgesamt wohl an die zwei Jahre.

Sie haben eine hervorragende Schauspielertruppe zusammengestellt. Wie sind die bei der Besetzung vorgegangen?
Radlmaier: Die meisten sind Freunde oder Freunde von Freunden. Menschen, mit denen es Spaß macht, ein filmischen Universum zu konzentrieren. Hinzu kommen ein paar Leute, die mir aus der Ferne sympathisch erscheinen. Sie alle haben etwas, das ich gerne Filmen möchte: eine besondere Art, sich zu bewegen, zu sprechen, zu schauen. Darum geht es, und nicht so sehr darum, dass einer ein Rollenprofil erfüllt. Insgesamt soll der Film einen möglichst breiten Fächer an verschiedenen Spielweisen, ja Seinsweisen enthalten. Darin steckt auch eine demokratische Utopie, die Gleichheit und Einzigartigkeit zusammen zu denken versucht.

Welche Filmautoren inspirieren Sie?
Radlmaier: Renoir, Pasolini, Straub-Huillet, Iosseliani, Fassbinder, Rossellini, Hong, Godard.

Die Fragen stellte Teresa Vena für Berliner Filmfestivals.

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18. Februar 2017 | In Internationale Filmfestspiele Berlin | Kommentare deaktiviert

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