Interview zur Reihe "Prachtige Films!": Spreek u Nederlands?


Wie liefen die ersten beiden Termine?
Problemski Hotel“, der den auf Auftakt machte, füllte den Saal zur Hälfte und die Zuschauer waren abwechselnd still betroffen oder lachten ruckartig auf. Es ist ein Film, der einen nicht unberührt lässt und jemand meinte, dass er sich in Machart und Inhalt sehr gut als Pendant zu Kaurismäki aktuellem Die andere Seite der Hoffnung” (hier unsere Kritik “Komplementärfarben der Menschlichkeit) mache. Zum zweiten Termin mit “Snackbar” fanden sich etwas weniger Leute ein, doch es hat sich auf jeden Fall gelohnt, als ich in die betroffenen und nachdenklichen Gesichter beim Rausgehen geschaut habe. Diesen Film möchte ich gerne bei Gelegenheit nochmals zeigen. Schön wäre es, wenn sich die Reihe mit einem kleinen Kern an Stammbesuchern etablieren könnte. Ich denke, dass noch etwas Überzeugungsarbeit geleistet werden muss, in Bezug auf die Attraktivität der Region als Filmproduzenten.

Woran liegt das, dass die niederländischen Filme auf deutschen Festivals nicht so präsent sind?
Die Niederlande produzieren kulturell eigentlich sehr viel, konzentrieren sich allerdings aber auch mehr auf Literatur. Die Hochphasen des niederländischen Films waren in den 30er Jahren und dann erst in den 70ern wieder. Mit dieser Phase ist dann auch der Name Paul Verhoeven verbunden.

Die Filme zeichnen sich alle durch einen schwärzeren, bitteren Humor aus. Ist das ein Merkmal der Filme aus der Region? Und wenn ja, womit hängt das wohl zusammen?
Ja, es ist vor allem dieser trockene Humor, wie man ihn eigentlich auch bei den Dänen wiederfindet. Das niederländische Kino ist eher unbequem: Gerade Filmemacher wie Paul Verhoeven, Theo van Gogh oder auch Alex van Warmeidam rütteln sehr stark an den Konventionen der Bürgerlichkeit. Vielleicht liegt ja gerade hier der Knackpunkt.

Wie bist du auf den Titel “Prachtige Films!” gekommen? Und in welchem Zusammenhang steht dieser zu deiner Filmauswahl?
“Prachtige Films!” heißt übersetzt auf deutsch soviel wie “Tolle Filme”. Eigentlich bin ich nicht so ein Fan von so – kann man das in diesem Zusammenhang sagen? – sexy Titeln und wollte die Reihe “Filmreihe zu den Niederlanden und Belgien” nennen, aber da haben mich die Profis vom Kino Moviemento überstimmt. [lacht]
Meine erste Idee war dann “Lekker Film”, das wäre schon sehr eingängig gewesen, nur dieses “lekker” benutzt man nur in den Niederlanden und nicht in Belgien und die Belgier mögen es offenbar gar nicht und dann habe ich eben nach einem Synonym dafür gesucht.

Die Fragen stellte Tatiana Braun.
(Das Interview ist in einer anderen Version zuvor bei Fragment Film erschienen.)

“Prachtige Films!” Termine von Juli bis September:
Samstag, den 15. Juli 2017 um 20 Uhr, “Matterhorn” von Diederik Ebbinge, 2013
Samstag, den 26. August 2017 um 20 Uhr, “Plan C.” von Max Porcelijn, 2012, in Anwesenheit des Regisseurs
Samstag, den 30. September 2017 um 20 Uhr, “De man die zijn haar kort liet knippen” von André Delvaux, 1965, s/w

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12. Juni 2017 | In Sonstiges | Kommentare deaktiviert

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