Nico Sommer: "Es geht um konstruktive Provokation"


Welche Rolle spielten die Auszeichnungen und Erfolge der Vorgänger?
Man kommt viel leichter ins Gespräch und steht nicht als Debütfilmer vor denen, der einen tollen Kurzfilm gemacht hat. Man hat sich sozusagen legitimiert. Der Redakteur kennt mich schon lange, wir haben uns immer wieder getroffen und er hat meinen Weg begleitet. Aber es hat bei anderen Filmen vorher nie gepasst. Die Strukturen eines Senders sehen nicht vor, dass jemand mit einem drei Seiten Skript auftaucht, der nächste Woche drehen will. Das funktioniert dort nicht. Zu “Lucky Loser” gab es ein Buch und das wurde vom ZDF abgenickt, damit konnten wir zur Filmförderung. Das war ein schneller Prozess für einen Film in Deutschland. Sonst dauert das etwas länger.

Eine der Nebenwirkungen dieses Wegs war, dass Sie ein Drehbuch schreiben mussten…
Das war positiv! Ich wollte das. Mich reizt die Herausforderung, ganz sportlich betrachtet. Ein Wagnis, das ich eingehen wollte, um zu sehen, ob ich das kann. Ich habe mir bewusst auch Hilfe gesucht. Aber vielleicht bin ich auch zu unbefangen rein gegangen.

Inwiefern?
Man reibt sich sehr an den dramaturgischen Strukturen, an diesem Humor, an Vorstellungen, was innerszenisch nun wirklich wichtig ist und was nicht. Über solche Punkte lässt sich trefflich streiten. Wahrscheinlich, weil es kein richtig oder falsch gibt. Man muss sich kreativ streiten und irgendwo treffen. Jetzt weiß ich wirklich, wie schwer es ist Komödie zu machen! (lacht)

Gerade weil Humor ja wenig Kompromiss verträgt. Er verliert seinen Mut, seine Schärfe und seinen Charakter, oder?
Genau, er ist sehr klar, entweder jemand lacht über einen Witz oder nicht. Selbst ein bisschen lustig ist nicht lustig. Beim Drama hast du so was nicht, das löst beim Zuschauer eher abgestufte Reaktionen hervor. Humor ist irgendwie radikaler.

Wie war das für Peter Trabner, der in Ihren beiden anderen (Impro-)Filmen dabei war und sich austoben konnte?
Gerade “Familienfieber” war eine Spielwiese für ihn, “Lucky Loser” war da Kontrastprogramm. Die Filme eint das straffe Programm in den wenigen Drehtagen. Anders waren diesmal die Feinjustierungen, weil wir oft mehrere Takes hatten. Ich konnte Raum geben, wenn ich spürte, dass da Raum ist und es so besser wird. Ich hänge nicht fest an den Zeilen. Wenn ich spüre, das auf dem Papier ist nicht so gut, versuche ich es am Set zu lösen.

Aber trotz des Drehbuchs wollten Sie improvisieren, oder?
Die Schwierigkeit bestand darin, das Konstrukt zu kommunizieren, diesen Spagat zwischen Drehbuch und Improvisation. Weil ich vom Improfilm komme, spreche ich von Improvisation, während es für meine Schauspieler ein ganz normaler Vorgang ist, den Text aus dem Drehbuch beim Dreh zu modifizieren. Das war mir so nicht klar. Kai Wiesinger ist ein alter Hase mit wahnsinniger Erfahrung, für den war der Dreh ganz normal.

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12. August 2017 | In Sonstiges | Kommentare deaktiviert

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