14 Films: Das Ohr am Puls der Zeit


Funda Eryigit überzeugt in der Rolle der Chehnaz in Yeşim Ustaoğlus "Clair Obscur". © Ustaoglu Film

Funda Eryigit überzeugt in der Rolle der Chehnaz in Yeşim Ustaoğlus “Clair Obscur”. © Ustaoglu Film

Around the World in 14 Films macht Quote. Über ein Drittel der Filme im Programm sind von Regisseurinnen. Auch darüber hinaus ermöglicht das Festival in diesem Jahr unterschiedlichste Einblicke in die weibliche Lebenswelt.

Selten war das Thema Gender und Film so omnipräsent wie in diesem Jahr. Im Fokus: die Frauenquote im Filmgeschäft, Lohngleichheit und allgegenwärtiger Sexismus. Trotz einiger Hysterie, die sich der eine oder andere Verlag zwecks Auflagensteigerung leistet, sind die Debatten wichtig, schließlich geht es nicht nur um Machtverhältnisse, sondern vor allem auch um das Abbild einer Gesellschaft und dessen affirmative Kraft, welches die Film- und Medienwelt mit seinen Narrativen besonders nachhaltig prägt. 2017 verschafften sich dazu etliche Frauen kontinuierlich Gehör und nutzten besonders die großen Bühnen, Festivals und Preisverleihungen, um die Öffentlichkeit für die noch immer stark unterrepräsentierten Frauen in der Branche – und damit ihre Geschichten, ihre Perspektiven – zu sensibilisieren.

Am Rande der Berlinale diskutierte der Verband Pro Quote Regie die Frauenquote in der Industrie und korrigierte nach eingehender Recherche die von Festivalleiter Dieter Kosslick postulierten insgesamt 42% im Programm auf 31,3 % (Im Wettbewerb waren es 5 Filme von 21 Filmen.) In Cannes (3 von 18 Wettbewerbsfilmen waren von Frauen gemacht) zeigten Diane Kruger, Robin Wright und Nicole Kidman auf das Ungleichgewicht und in Venedig (1 von 21 Filmen im Wettbewerb von einer Regisseurin) verteidigte Festivaldirektor Alberto Barbera die geringe Quote etwas uneindeutig mit den Worten: “When you are in competition, for example, the expectation from the press is higher. If the film is not good enough it means that the response from critics and audience will be worse than in other cases.” Welch einseitige Erzählungen dadurch womöglich immer wieder unterstützt werden, zeigte Tagesspiegel-Redakteurin (und 14 Films-Jurorin) Christiane Peitz noch vor Ausklang des Festivals schließlich in ihrem wunderbaren Artikel Die Huren und die Heiligen. Einzig in der TV-Landschaft, zumindest in der nordamerikanischen, gäbe es sehr viel mehr Freiheiten für Frauen im Business, wie Jane Campion im Juli dem Guardian gegenüber erklärte und wie etliche Gewinnerproduktionen auf der Emmy-Verleihung im September sichtbar machten.

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