Busan 2017: Filme aus Asien mit auffällig vielen frauenbezogenen Themen


22nd-Busan-International-Film-Festival-Official-PosterVom 12. bis 21. Oktober 2017 fand die 22. Ausgabe des Busan International Film Festival statt, das als größte Plattform für den asiatischen Filmmarkt gilt. Jährlich präsentiert das Festival mehrere hundert Filme neuester Produktion, 2017 waren es 300 aus insgesamt 76 Ländern. Davon feierten 99 Beiträge ihre Weltpremiere. Gerade für unabhängige Autorenfilme bedeutet die Präsentation in Busan vielfach eine einmalige Gelegenheit, sich einem größeren Publikum vorzustellen, erfahren sie doch darüber hinaus selten eine reguläre Kinoauswertung. Dies gilt für koreanische sowie internationale Werke, denn die Koreaner sind zwar passionierte Kinogänger, doch setzt sich das Programm der Multiplexe, die die Kinolandschaft dominieren, zum wesentlichen Teil aus einnahmestarken, wenn auch durchaus eigenen, Großproduktionen zusammen. Der Liebe der Koreaner zum Film lässt sich in Busan nachspüren: Viele Vorführungen sind bereits im Vorverkauf ausgebucht.

Seit Jahren pflegt Busan enge Beziehungen zur Berlinale. 2016 war Wieland Speck Teil der Hauptjury des Festivals und erhielt 2015 die Auszeichnung “Korean Cinema Award” für sein Engagement den koreanischen Film in Europa eine Plattform zu bieten. In diesem Jahr wurden die Leistungen im gleichen Bereich des langjährigen Leiters der Sektion Forum Christoph Terhechte gewürdigt. 1996 fand die erste Ausgabe des Festivals mit ungefähr 170 Filmen statt, seitdem wuchs das Programm immer weiter an. Eine der Schlüsselfiguren des Festivals war über Jahrzehnte Kim Ji-seok, der für die asiatischen Filme im Programm verantwortlich zeichnete. 2017 starb er im Alter von 57 Jahren, nachdem er nur ein knappes halbes Jahr zuvor zum Festivalleiter ernannt wurde. Er war international sehr geschätzt und während des Festivals fand eine Gedenkfeier mit über 400 anwesenden Gästen statt. Zu seinen Ehren richtet das Festival in diesem Jahr zum ersten Mal einen Sonderpreis aus, der zwei junge Filmemacher aus Asien mit jeweils 10.000 USD auszeichnen und unterstützen soll.

Weiterlesen: Unsere Kritik zu “Alles sieht Schwein” über “Okja” von Joon-ho Bong.

Die Kontroversen in Bezug auf die Konzeption des Festivals, die 2014 aufkamen, halten sich. Da der Bürgermeister von Busan Teil des Vorstandes ist, obwohl er als Drahtzieher der Krise angesehen wird und ihm vorgeworfen wird, er wolle politischen Einfluss auf das Programm des Festivals nehmen, haben auch dieses Jahr erneut namhafte koreanische Filmemacher zum Boykott der Veranstaltung aufgerufen. Verschiedene Verbände Filmschaffender haben sich dafür ausgesprochen, unter anderem die größte Gruppierung mit Joon-ho Bong an der Spitze. Nicht ganz verständlich erscheint dabei, wieso dann trotzdem sein neuester Film “Okja” auf dem Festival vertreten war.

Ähnlich verhält es sich mit der Regisseurin Suwon Shin, die Mitglied der gleichen Zunft wie Bong ist, aber mit “Glass Garden“, einem originellen, ruhigen Drama über eine außergewöhnliche Frau, das Festival eröffnet hat. Wie dem auch sei, die aktuelle Ausgabe des Festivals zeichnete sich durch große künstlerische Vielfalt aus, mit hervorragenden unabhängigen Autorenfilmen und spannenden aktuellen Großproduktionen aus Korea.

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5. November 2017 | In Sonstiges | Keine Kommentare »

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