Busan 2017: Filme aus Asien mit auffällig vielen frauenbezogenen Themen


2017 stand an der Spitze des Festivals erstmalig mit Kang Soo-youn eine Frau, der vermutlich die auffällig große Zahl der teilnehmenden Filmautorinnen zuzuschreiben ist. Sowohl der Eröffnungs- als auch Abschlussfilm stammten aus der Hand einer Frau. Darüberhinaus haben begrüßenswert viele Beiträge eine frauenbezogene Themenstellung berücksichtigt. Dabei handelt es sich um sensibel aufgerollte Geschichten von vielseitigen Frauenfiguren verschiedenen Alters. Die Stellung der Frau in der asiatischen Gesellschaft macht sich in den Filmen bemerkbar. Frauen stossen vielfach auf Abneigung, wenn sie sich für ein alternatives Lebensmodell entscheiden und beispielsweise gegen eine eigene Familie. Eindrücklich erzählt “Microhabitat” der koreanischen Regisseurin Gowoon Jeon von einer über dreißigjährigen Frau, deren Lebensfreude darin besteht ihren Lieblingswhiskey und ihre Zigaretten zu genießen. Dafür putzt sie bei anderen Leuten und begnügt sich mit sehr wenig Geld. Ihr Umfeld bewundert sie zwar, doch sieht in ihre auch eine stete Provokation. Sie empfinden ihr Verhalten als arrogant, weil sie ihre eigenen Entscheidungen in Frage gestellt glauben. Um erwachsene, selbstbestimmte Frauen geht es auch in “Misbehavior” von Taeyong Kim. Eine langjährige, gute und beliebte Mathematiklehrerin verliert den Boden unter den Füßen, als eine junge Kollegin an die gleiche Schule kommt und sie diese bei einer Affäre mit einem Schüler ertappt. Kurz darauf verliebt sie sich aber selbst in den Jungen und glaubt, sich an der Kollegin rächen zu können, von der sie sich wegen ihres einflussreichen Vaters bedroht fühlt. Das Resultat ist eine genaue Beobachtung von Abhängigkeiten, weiblicher Sexualität und die Sicht der Gesellschaft auf ältere Frauen.

Verschiedene junge Frauen, die ihren Weg im Leben suchen und mit dem traditionellen, von der Familie und der Gesellschaft vorgegebenen Lebensmodell hadern, kommen als Protagonistinnen zur Geltung. Dabei sind intensive, poetische und verträumte Beiträge aus unterschiedlichen Ländern entstanden. Der Film “Missing Johnny” der Regisseurin Xi Huang aus Taiwan, Schülerin des Altmeisters Hou Hsia-hsien beobachtet wie sich eine junge Frau und ein junger Mann, beide etwas verloren in ihrem routinierten Alltag und in ihrer Sehnsucht nach der einen Person, die sie bedingungslos versteht, annähern. Als wiederkehrende dramaturgische Elemente werden die Zwergpapageien der Frau, die gemeinsamen Autofahrten und, auf sehr geschickte Weise, die Anrufe auf dem Mobiltelefon der Frau, die nach einem gewissen Johnny fragen, verwendet. Eindeutig härter und für einen koreanischen Film erstaunlich explizit und brutal präsentiert sich “Park Hwa-young” von Regisseur Hwan Lee. Die titelgebende Jugendliche steht an der Spitzer einer Bande von Ausreißern, die sich, nicht nur aus ärmlichen Verhältnissen kommend, von ihrem Elternhaus losreißen, gemeinsam rauchend herumhängen, Drogen nehmen und Geld zusammenschnorren oder auf andere, verbrecherische Weise besorgen. Hwa-young nenne die anderen “Mama”, weil sie ihnen eine Wohnung zur Verfügung stellt, für sie kocht und wäscht. Doch als eine der ihren sehen sie sich nicht. Im Gegenteil, sie verachten sie, da sie nicht ihrem Schönheitsideal entspricht. Zudem verbiegt sie sich ihnen zu sehr, um ihnen zu gefallen, weswegen sie sie nicht respektieren. Geflucht, getreten und gedemütigt wird den ganzen Film hindruch, dass es schmerzt. Um eine weitere junge, verlorene Seele geht es in “February” von Joonghyun Kim. Der Film gewann einer der Hauptpreise für koreanische Filme, für die beste Regie im Bereich außergewöhnlicher neuer Talente. Tatsächlich handelt es sich um ein einfühlsames Porträt einer alleinstehenden jungen Frau, die jeden Halt zu ihrer Familie und ihrem Umfeld verloren hat, sich mit Gelderbetteln und -erschlafen über Wasser hält. Die bedingungslose Freundschaft, die ihr eine ehemalige Mitbewohnerin entgegenbringt, und die Zuneigung eines alleinerziehenden, ein paar Jahrzehnte älteren Mannes, scheinen ihr auf der Haut zu brennen, dass sie immer wieder wegläuft.

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5. November 2017 | In Sonstiges | Keine Kommentare »

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