Weihnachtsfilmfestival 2017: Blutrot und Tannengrün


Weihnachtsfilmfestival_2017An Weihnachten verwandelt Berlin sich in eine Geisterstadt. Die Zugezogenen begeben sich in den überfüllten Zügen der Deutschen Bahn zurück in ihre Heimat, um sich drei Tage lang der ungehemmten Völlerei und der familiär-festlich vorgeschriebenen Fröhlichkeit hinzugeben. Alle anderen machen unaufgeregt einfach das, was sie sonst auch das ganze Jahr am Wochenende machen: In der Shisha-Bar abhängen, ins Berghain gehen oder Netflix und Chill. Für alle Hiergebliebenen, die es kurz vor den Feiertagen ganz gerne weniger stressig und dafür ein bisschen festlich haben, für Freunde und Freundinnen hochwertiger Filmkultur, aber auch für alle Weihnachtsmuffel, die ein gepflegtes Blutbad unterm Christbaum zu schätzen wissen, bietet in diesem Jahr nun schon zum zweiten Mal, das im Kreuzberger Kino Moviemento statt findende Weihnachtsfilmfestival genau das Richtige. Vom 22. bis 24. Dezember stehen unkonventionelle filmische Weihnachtsschmankerl abseits des Mainstreams auf dem Programm, die am festtäglichen Christbaumkugelkitsch nur leicht vorbei schrammen und insbesondere die absurden, liebens- und fragwürdigen Seiten des alljährlichen Feiertagswahnsinns in den Mittelpunkt stellen.

Das von Festivalleiter André Kirchner ins Leben gerufene Projekt lockt mit einem abwechslungsreichen Filmprogramm die Besucher weg vom Weihnachtsdöner ins Kino und auch dieses Jahr gibt es reiche Bescherung: Gezeigt werden über fünfzig Dokumentar-, Animations-, Lang- und Kurzfilme aus über 20 Ländern und quer durch die Genres hindurch.
Besonders freuen darf man sich auf die Kurzfilmprogramme, die sich der kalten Jahreszeit widmen (“Frosty Shorts” am Freitag, 22.12. um 18.15 Uhr) – im wörtlichen, wie im übertragenen Sinne – und mit (sozial-)kritischem Blick unter den Weihnachtsbaum, auf Festtagstraditionen und die politische Gegenwart blicken (“Nutcracker Shorts” am Samstag, 23.12. um 18 Uhr und “Fireplace Shorts” am Sonntag, 24.12. um 19 Uhr). Wem dass alles immer noch zu viel Lametta ist, dem seien vor allem die Spätvorstellungen zu empfehlen: In Per-Ingvar Tourens und Magne Steinsvolls “Christmas Cruelty!” (Freitag, 22.12. um 23 Uhr) aus Norwegen geben sich Michael Hanekes “Funny Games” und Whams “Last Christmas” ein kompromisslos blutrünstiges Stelldichein. Die “Horror Shorts” (Samstag, 23.12. um 22.30 Uhr) locken mit weihnachtlichen Alpträumen, Zombies und Serienkillern und in Ryan Nelsons “Mercy Christmas” (Sonntag, 24.12. um 21 Uhr) darf man sich auf einen ganz besonderen Festtagsbraten freuen…
Außerdem im Programm: Singende Schildkröten, viele, viele Lichter und ein Todesfall.

Tatiana Braun

Das Weihnachtsfilmfestival findet vom 22. bis 24.12. im Kino Moviemento in Kreuzberg statt. Alle Filme werden in Originalversion mit englischen Untertiteln gezeigt. Mehr Infos zum Programm gibt es auf der Festival-Homepage und auf Facebook.

Weitere Einblicke in die filmische Weihnachtsbäckerei und einen Vorgeschmack auf die Highlights gibt es dann auf den folgenden Seiten…

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20. Dezember 2017 | In Weihnachtsfilmfestival | Kommentare deaktiviert

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