"Es geht nicht darum zu bekehren"


Der "Wildes Herz"-Regisseur Charly Hübner. © Sandra Then

Der “Wildes Herz”-Regisseur Charly Hübner. © Sandra Then

Charly Hübner und Sebastian Schultz haben für den Dokumentarfilm “Wildes Herz” Jan Monchi und dessen Band Feine Sahne Fischfilet begleitet. Das Ergebnis ist bemerkenswert und wird von Kritik wie Publikum sehr positiv aufgenommen. Im Interview berichten die Filmemacher über die Arbeit am Film, Liebe zur Heimat und darüber wie präsent Konflikt im Alltag sein kann.

Der Film wirkt sehr authentisch und echt. Wie kriegt man so was hin?
Charly Hübner (C.H.):
Der Grund liegt letztendlich in Feine Sahne Fischfilet. Weil die Band das ist und das lebt. Es war unsere Aufgabe das zu vermitteln. Deswegen muss der Film ohne viel Firlefanz auskommen. Er muss das sein, was diese sechs jungen Männer sind.
Sebastian Schultz (Se.S.): Wir haben uns dreieinhalb Jahre auf den Protagonisten und seine Band eingelassen. Wir haben ganz klassisch angefangen und die Aufnahmen vom damaligen Album begleitet. Von dort aus ging es immer tiefer in deren Kosmos rein. Weil der Film mehr ist als die Musik oder die Band. Er handelt von Leuten, die eine klare Position beziehen, die ambivalent sind, sich stark auseinandersetzen mit ihrer Umgebung, mit ihren Mitmenschen.

Wie kam es zu der Idee diesen Film zu machen?
C.H.:
Es gab einen Kurzfilm für die ARD-Reihe “16xDeutschland“, den haben wir über Mecklenburg Vorpommern gemacht und da ist Monchi eine von vielen Figuren, die was über Mecklenburg sagen. Es gab dann die Idee seitens des Senders und der Produktion, dass man daraus ein langes Stück machen könnte.

Weiterlesen: Unsere Kritik “Punk gegen Rechts” zu “Wildes Herz“…

Hat das was mit euch gemacht, die Jungs so lange zu begleiten?
Se.S.:
Was den größten Effekt auf mich hatte, war diese Offenheit zum Konflikt. Also dass der Konflikt als solcher nicht überbrückt werden muss, damit man wieder zur Normalität kommt, sondern, dass Konflikt ein Streit und Alltag ist. Dass man sich mit seinen Freunden auseinandersetzt, mit seinen Gegnern, was auch immer, aber dass das das Leben ist. Das hat mich am stärksten beeindruckt.
C.H.: Ja und wie einfach gesellschaftliches Handeln ist. Es gibt dieses Bild, wo oben Udo Pastörs auf einem Wahlplakat der NPD zu sehen ist und dann kommt dieser Abschwenk, wo die beiden grade anfangen diese Bushaltestelle mit selbst entworfenen Plakaten zu bekleben. Die fahren einfach los mit dem Bandbus und machen das. Sorgen dafür, dass Materia sie anruft, sorgen dafür, dass die Clubs sagen, ja wenn ihr vorbeikommt, dann wird es geil. Das ist ganz einfach. Das sind drei, vier Anrufe, sechs Mails und dann findet das statt und kostet auch nicht viel. Das, was es kostet, zahlen sie aus der Bandkasse. Das ist gar nicht so abstrakt.

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16. April 2018 | In Sonstiges | Keine Kommentare »

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