Busan Filmfestival 2018: Filme zwischen Himmel und Hölle


Lara (VICTOR POLSTER) beim Ballettunterricht mit Freundinnen. (c) Menuet

Hier reiht sich auch einer der zurzeit weit gefeierten Filme aus Europa mit ein, „Girl“ von Lukas Dhont. Sensibel und berührend erzählt er von Lara, die als Junge geboren wurde, sich aber als Mädchen fühlt und dafür kämpft, auch als solches leben zu dürfen.
Zum Festival wurde eine Vielzahl europäischer und nord- sowie südamerikanischer Filme eingeladen, wovon die meisten in Busan ihre Asienpremiere feiern. Nur wenige von ihnen werden in diesem Kulturraum eine reguläre Kinoauswertung erfahren, weswegen es für das Publikum vor Ort eine fast einmalige Gelegenheit bedeutet, die Filme zu sehen.
Dies verwundert nicht weiter, wenn man erfährt, dass selbst renommierte westliche Filmautoren wie Kusturica oder Kaurismäki dies nicht schaffen. Was Korea betrifft machen US-amerikanische Blockbuster, allerdings durchaus im Zweikampf mit den koreanischen Großproduktionen das Rennen. Koreanische Autorenfilme bleiben ihrerseits außen vor und sind auf das Festival angewiesen.

Weiterlesen: Unsere Kritik von Girl

Bei den ausländischen Filmen handelt es sich um eine Mischung zwischen prestigeträchtigen Produktionen wie „The Ballad of Buster Scruggs„, der Coen-Brüder, „Roma“ von Alfonso Cuaron, den Gewinner von Venedigs, oder „The Man Who Killed Don Quixote“ von Terry Gilliam, „Donbass“ von Sergei Loznitsa, und Werken von jungen Autoren wie „Museum“ von Alonso Purizpalacios oder „Sibel“ von Cagla Zencirci und Guillame Giovanetti (Gewinner Fipresci in Locarno). Bei der Auswahl hat sich das Festival auf die Programme der ihm vorangegangenen Festivals von Cannes, Venedig und insbesondere Berlin gestützt. Gerade mit der Berlinale verbindet es eine fruchtbare Beziehung im Austausch von Filmen.

Weiterlesen: Unsere Kritiken zun Museumund The Man Who Killed Don Quixote.

Einzelne exotische Produktionsländer waren in Busan vertreten und außergewöhnlich erwies sich „Sew the Winter to My Skin“ von Jahmi X.T. Qubeka, eine Produktion zwischen Südafrika und Deutschland. Der Film spielt in den 1950er Jahren während der Apartheid und erzählt exemplarisch von einem schwarzen Mann, der sich mit einem weißen Großgrundbesitzer (gespielt von Peter Kurth) anlegt – und verliert. Der Film wird zur intensiven Erfahrung voller Gewalt, aber offenbart zwischen den Zeilen erstaunlich viel Ironie. Auffällig ist zudem, dass er mit nur sehr wenig Dialog auskommt, der in Zulu, Afrikaans und neuerem Niederländisch (hat Kurth gut gelernt) gesprochen wird. Das Ganze ergänzt von hervorragender Musik, die bis ins Mark dringt.

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17. Oktober 2018 | In Allgemein

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