Busan Filmfestival 2018: Filme zwischen Himmel und Hölle



Im Programm war eine Handvoll deutschsprachiger Produktionen repräsentiert. Als absurd, surrealistisch und ungewohnt lässt sich der neue Film von Markus Schleinzer bezeichnen. Sein „Angelo„, der sieben Jahre nach seinem Meisterwerk und Erstling „Michael“ entstand, inszeniert die Geschichte des gleichnamigen afrikanischen Sklavenjungen, der im 18. Jahrhundert an den österreichischen Hof gehalten wurde. Er bekam eine Ausbildung und diente als Experimentierfläche für die dekadente Bourgeoisie der Zeit, die prüfen wollte, inwiefern das Subjekt in seiner Entwicklung „mehr Affe als Mensch“ sich anpassen konnte. Schleinzer hat ein einheitlich-zynisches Werk geschaffen mit viel Liebe zum Detail, explizitem Anachronismus, hervorragend gespielt von allen Darstellern, allen voran den Schauspielern, die Angelo in den verschiedenen Lebensphasen verkörpern. Sehr verwandt wirkt der Film mit der Bildsprache von Lucrecia Martel und insbesondere berührt er sich mit Martels letztem Film „Zama„.

Aus Deutschland stammt „Adam & Evelyn“ von Andreas Goldstein und Jakobine Motz, der in Venedig an der „Settimana della critica“ seine Premiere feierte. Die Autoren legen ihre Dreiecks- und Vierecksliebesgeschichte ins Jahr 1989 kurz vor der Wende an. Basierend auf einem Roman von Ingo Schulze präsentieren sie ein idyllisches Bild der Zeit fern von den urbanen Zentren. Die Protagonisten geben sich dem müßigen Treiben der sommerlichen Temperaturen hin, innerlich allerdings von Zweifeln nach dem richtigen Handeln beunruhigt. Die Thematik der deutschen Teilung findet in Korea immer viel Interesse, was sich auf die eigene Geschichte als gespaltene Nation zurückführen lässt. Deutschland gilt als Paradebeispiel der erfolgreichen Wiedervereinigung, wie sie sich der Süden mit dem Norden wünscht.

In diesem Jahr schuf das Festival zum ersten Mal wieder einen Schwerpunkt und blickt auf die Philippinen als Filmland. Dabei gab es die Möglichkeit, auch ältere Filme seit den 1980er Jahren (wieder-) zu entdecken. Ein großer Name fehlte dann auch nicht, er ist ein willkommener Gast in Busan, Brillante Mendoza. Sein aktueller Film „Alpha, the Right to kill“ handelt vom korrupten Polizeiapparat Manilas. Als Vertreterin der neuen Generation war Dwein Baltazar mit „With All My Hypotalamus“ anwesend. Sie hat einen suggestiven, surrealistisch anmutenden und hervorragend fotografierten Film über vier Männer, alle verschiedenen Alters und Standes, gedreht, die ihrer eigenen Illusion der Traumfrau nachjagen. Der Film mit dem poetischen, nicht ganz verständlichen Titel, konzentriert sich im wesentlichen auf Nahaufnahmen vom Alltagstreiben eines spezifischen Geschäftsquartiers Manilas. Mit Mut zur Lakonie und sicherer Hand für den Schnitt und Bildfindung an die Ästhetik eines Wong Kar-Wai erinnernd, hat Baltazar mit viel weiblicher Unterstützung ein vielversprechendes Debüt vorgelegt.

Mit ein paar außergewöhnlichen Filmen, einer Begegnung mit Koreas Enfant terrible der Musikszene Psy („Gangnam Style“) und viel gutem Essen im Gepäck ging auch die 23. Ausgabe des bedeutendsten Festivals Südostasiens zu Ende.

Teresa Vena

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17. Oktober 2018 | In Allgemein

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