Woche der Kritik 2019: Streiten und laut Nein sagen


Intensivstation Kino – oder doch eher ein System Kino, das intensiv behandelt werden muss?!? In jedem Fall klingt der Titel der Auftaktkonferenz der Woche der Kritik schwer alarmistisch und nach großen Lettern. Die im Subtitel erwähnte Dosis Schlingensief und der Schauplatz Volksbühne ergeben ein stimmiges Gesamtbild, das dazu verleitet, die ebenfalls im Subtitel formulierte rhetorische Frage, warum mit braver Kunst die Welt nicht zu retten sei nicht mit einem leisen Kopfschütteln beantwortet ist, sondern mit einem wild gebrüllten NEeeeIN!

Der große Schlingensief bildet so auch mit seinem Werk „Das deutsche Kettensägenmassaker“ (1990) den Ausgangspunkt für eine Woche, die von 6. bis 14. Februar im Diskurs zum einen die Befindlichkeit des Films sezieren soll und – fast noch wichtiger – Impulse für eine bessere Zukunft geben soll, vielleicht gar eine Vision entwickeln will.
Die geladenen Gäste der Auftaktkonferenz (am 6. Februar) wie Udo Kier, Bibiana Beglau, Susanne Bredehöft, Monika Rinck, Milo Rau und Peter Sellars sollten für kluge Impulse sorgen, wenn es darum geht, die Grenzen des Kinos neu zu vermessen und Diskursblasen platzen zu lassen, was erklärtes Ziel der Tage ist.

Ab Donnerstag gehen den Gesprächen, die Diskussionen sein wollen und in denen auch gestritten werden darf, Filme voraus, die den Impuls zur Auseinandersetzung geben.
Interessant und bemerkenswert ist dabei das kuratorische Konzept der Woche der Kritik, die in ihrem Programmteam auf Rotation setzt und neben den Gründungsmitgliedern Dunja Bialas, Frédéric Jaeger und Dennis Vetter in diesem Jahr die schwedische Filmkritikerin und Festivalkuratorin Katarina Hedrén sowie die Mailänder Filmkritikerin und Kuratorin Daniela Persico zur Filmauswahl einlud.

Weiterlesen: Hier unser Interview mit Kurator Dennis Vetter zur damaligen Premierenausgabe der Woche der Kritik…

Um die Wichtigkeit des Debattenanteils zu unterstreichen, betitelt die Woche der Kritik ihre Abende primär mit einem Thema und erst an zweiter Stelle mit den Filmtiteln. So lautet am Donnerstag das Motto des ersten Abends „Widerstand gegen das Verschwinden“ und die Werke „Gulyabani“ (des türkischen Experimentalfilmer Gürcan Keltek) und „Nakorn-Sawan„, der HFBK-Absolventin Puangsoi Aksornsawang, die in der Hamburger Klasse von Angela Schanelec studierte, geben den Impuls für eine Diskussion, in der die beiden im Anschluss auf ihre Filmemacher-Kollegin Carla Simón und den Kunsthistoriker Philip Ursprung treffen.

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4. Februar 2019 | In Woche der Kritik

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