Berlinale 2019: Tagebuch vom Film Festival



Sonntag – Väter & Kinder
Berlinale-Vatertage: Bislang waren es meist nur Komödien, in denen Vaterfiguren eine Rolle spielen durften. Ansonsten glänzten Vaterrollen bisher eher durch Abwesenheit, was etliche Filme in den letzten Jahren auch wiederholt betonten. Doch die Zeiten ändern sich. Und was sich auf der Straße abbildet, ist nun im Kino zu sehen. Die Berlinale bringt Väter auf die Leinwand. Wie Casey Affleck (Regie & Hauptrolle) mit „Light Of My Life„, ein zauberhaft intimes Vater-Tochter-Porträt, feiert auch Hans Petter Moland mit seiner Literaturverfilmung „Out Stealing Horses“ seine Weltpremiere auf der 69. Berlinale. Zwei Filme, die mit ihrer hinreißenden Metaphorik und Poesie von Vätern und ihren Kindern erzählen.

Montag – Frauen & Männer, das Ziel ist die Parität
Tradition und Norm dienen dazu, alte Strukturen zu konservieren. Tanzt jemand aus der Reihe, hat das meist Folgen. Im besten Fall nur absurde. Teona Strugar Mitevska entlarvt im Wettbewerbsfilm „God Exists, Her Name is Petrunya“ mittelalterliche Machtstrukturen und kommentiert mit scharfer Zunge eine aberwitzig chaotische Gegenwart, in der Männer die Zähne fletschen, wenn eine Frau sie übertrifft. Die Groteske bringt die aktuelle Debatte auf den Punkt. Um Machtverhältnisse zu brechen, braucht es den Bruch mit Konventionen und neue Perspektiven. Dieter Kosslick unterzeichnet die 5050×2020-Zusage, so soll die Berlinale bis 2020 eine paritätische Geschlechterverteilung erreichen.

Weiterlesen: Hier SuTs Kritik „In der Ruhe liegt die Kraft zu „God Exists, Her Name is Petrunya„…

Dick Cheney (Christian Bale) ist weit mehr als der Stellvertreter von US-President George W. Bush (Sam Rockwell). Adam McKay zeichnet das Bild eines überaus machtbewussten Vizepräsidenten, dessen Entscheidungen bis heute nachwirken. © Matt Kennedy / Annapurna Pictures, LLC. All Rights Reserved2018 © Annapurna Pictures, LLC. All Rights Reserved.

Dienstag – Wege zur Erkenntnis
„Das Private ist politisch“, weiß nicht nur der Sponti-Spruch der späten 60er, sondern lautet auch Motto der diesjährigen Berlinale. Politische Themen stehen traditionell auf der Agenda des Festivals. 2019 schaut Dieter Kosslick dafür zurück in die Geschichte: Regisseurinnen aus Ost und West und ihre Selbstbestimmtheit stehen im Fokus der Retrospektive. Es gibt Freikarten für AfD Mitglieder für das Sonderscreening „Das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto„. Die aufwendig aufbereitete TV-Montage „Watergate“ und der mehrfach prämierte „Vice„, mit einem famosen Christian Bale als Dick Cheney, liefern Basiswissen für die Probleme der Gegenwart – und so einen Weg zur Erkenntnis.

Weiterlesen: Stefanie Borowskys Kritik „Die unergründliche Poesie des Alltags zu „Ich war zuhause, aber„…

Mittwoch – Aufregung im Wettbewerb
Aufregung um den Wettbewerb der 69. Berlinale! Das lag weniger an Angela Schanelecs „Ich war zuhause, aber„, der eher durchwachsen aufgenommen wurde, schon eher am starken Mafia-Drama „Piranhas“ von Claudio Giovannesi. Letztendlich rumort es im Hintergrund: Der chinesische Beitrag „Yi Miao Zhong“ von Zhang Yimou wurde offiziell aufgrund technischer Probleme aus dem Wettbewerb zurückgezogen, während die Branche über Zensur aus kulturpolitischen Gründen spekuliert. Geht es nach den deutschen Kinobetreibern, soll Isabel Coixets Drama „Elisa y Marcela“ folgen und im Wettbewerb nur „außer Konkurrenz“ teilnehmen, weil Produzent Netflix den Film nicht regulär ins Kino bringen will.

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