Fokus auf die Schweiz: Käse, Uhren und Schokolade - aber Film?


Der Schweizer Spielfilm: Sorgenkind oder Hoffnungsträger? Das diskutierten die Solothurner Filmtage vom 24. bis 31. Januar. Das Festival im Zentrum der Schweiz, einer Kleinstadt mit knapp 17.000 Einwohnern und einer großen, erhaltenen Altstadt, bietet dem Schweizer Filmschaffen mittlerweile in der 54. Ausgabe eine Plattform. Eine Plattform, die es in dieser Form und Konzentration sonst nirgends findet. Erst recht nicht im Ausland.

Gemessen an der Einwohnerzahl hat die Schweiz weltweit proportional die höchste Filmproduktion, innerhalb Europas kommt sie auf Platz 7. Aus etwa 120 Einreichungen hat das Festival die Hälfte ausgewählt. Der Marktanteil des Schweizer Films im Heimatmarkt gehört im Vergleich dazu zu den tiefsten.
Im Ausland wird der Schweizer Film nur sehr vereinzelt wahrgenommen. Dass er sich durch eine große Vielfalt auszeichnet und auf eine lange Tradition, die so alt ist wie die gesamte Filmgeschichte, zurückblickt, bleibt vielfach selbst Fachleuten verborgen.
Der Dokumentarfilm ist davon weniger betroffen. Eine gewisse Fertigkeit in diesem Feld hat man den Schweizern schon immer zugesprochen und immer wieder schaffen es auch Dokumentationen über die Landesgrenzen hinaus an Festivals und zu bemerkenswertem Erfolg. Als aktuelle Beispiele können die beiden jüngsten Film von Markus Imhoof gelten. „More Than Honey“ war seinerseits als Schweizer Oscarbeitrag eingereicht worden, „Eldorado“ lief an der letztjährigen Berlinale, erfuhr eine reguläre Kinoauswertung und gewann den diesjährigen Deutschen Fernsehpreis.

Es kann auch als außergewöhnlich gelten, dass im Wettbewerb für den Prix de Soleure und dem Prix du Public, auf drei Spielfilme sechs Dokumentationen bzw. auf sieben Spielfilme fünf Dokumentationen kommen. Beide Preise gingen schließlich auch an jeweils einen Dokumentarfilm. Den Prix de Soleure an „Immer und Ewig“ von Fanny Bräuning, die ihren Eltern ein Denkmal gesetzt hat. Ihre Mutter leidet seit Jahrzehnten an MS und ist gelähmt. Der Vater macht sein Mögliches, um sie am Leben teilnehmen zu lassen und hat beispielsweise einen Kleinbus so umgebaut, dass die beiden zusammen verreisen können. Große Sympathie strahlen die Protagonisten aus, formal ist der Film auch solide gemacht, fängt humorvolle Szenen ein und verzichtet auf übermäßigen Pathos. Allerdings hat der Film seine Längen und greift auf einen gemütlichen Inszenierungsstil zurück. Den Publikumspreis hat das Porträt über den Schweizer Ingenieur Othmar Ammann, der 1904 nach New York auswanderte und dort ein Pionier des Brückenbaus wurde: „Gateways to New York“ von Martin Witz.

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1. Februar 2019 | In Allgemein

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