Fokus auf die Schweiz: Käse, Uhren und Schokolade - aber Film?


Der stärkste Beitrag des Jahrgans: „Der Büezer“. Foto: Solothurner Filmtage

Die Frage stand im Raum, ob es mehr finanzielle Unterstützung braucht, damit qualitativ hochwertigere und gleichzeitig erfolgreichere Filme entstehen. Dies ist entschieden zu verneinen. Den solange die Auswahlgremien gleich besetzt bleiben, geht die Förderung an immer ähnliche Projekte. Ein weiteres Argument gegen diese Hypothese sind die Werke aus dem Programm des Festivals, die mit wenig Geld entstanden und auf allen Ebenen die absoluten Höhepunkte desselbigen ausmachen. „La preuve scientifique de l’existence de Dieu“ (dt. „Der wissenschaftliche Beweis für die Existenz von Gott„) von Fred Baillif präsentiert mit einfachen Mitteln eine gelungene Komödie. Rhythmusgefühl, ein Auge für Details und einen hervorragenden Sinn für Humor. Protagonisten des Films sind Freund, die sich in den 1970er Jahren in der Schweiz für die Abschaffung der obligatorischen Wehrpflicht und die Einführung eines alternativen Zivildienstes eingesetzt haben und wegen Desertion verurteilt wurden. Indem er eine neue fiktive Geschichte des Widerstands (Verbot der Produktion und des Exports von Waffen) erfindet, versammelt der Genfer Regisseur die Freunde und Laien wieder. Genfer Schauspieler-Altmeister wie Irène Jacob und Jean-Luc Bideau vervollständigen das Bild.

Dieser Film – wie auch der kompromisslose Experimentalfilm „Das Höllentor von Zürich“ des Zürcher jungen Tausendsassa-Paares Cyrill Oberholzer und Lara Stoll – waren Teil der Sektion Panorama, in der auch zwei Serien und einzelne Fernsehfilme gezeigt wurden. Die Auswahl führt die Vielfalt des aktuellen, hiesigen Filmschaffens vor Augen. „Das Höllentor von Zürich„, dessen Titel nicht zu viel verspricht, ist an sich nicht unbedingt ein umfänglich gelungenes Werk, da mehrere Längen entstehen und Uneinheitliches besitzt, aber frisch, mutig und kompetitiv.

Dass der stärkste Film des gesamten Festivals und mit Sicherheit des Wettbewerbs von der Jury unbeachtet geblieben ist, stimmt nachdenklich und ohnmächtig. Nicht einmal vom Erfolg, den der Hauptdarsteller Joel Basman zurzeit erfährt, konnte „Der Büezer“ profitieren. Der 28-jährige Zürcher Regisseur Hans Kaufmann, mit Seemannsbart und langem Haar, hat die Geschichte eines schüchternen jungen Manns inszeniert, der sich in eine Frau verliebt und sich für sie verstellt. Er verschweigt ihr, dass er als „einfacher“ Sanitärtechniker arbeitet und lässt sich auf ihre kirchliche Sekte ein. Authentisch und unprätentiös, humorvoll und gesellschaftlich höchst relevant kann der Film beschrieben werden. Dazu kommt eine hervorragende schauspielerische Leistung. Hier handelt es sich um einen Film, der „Dene wos guet geit“ von Cyril Schäublin sehr nahe steht. Beide erzählen ihre Geschichten, indem sie sich auf das konzentrieren, was sie kennen und trotzdem eine allgemeingültige, auch für außerhalb der Schweiz ansprechende, Aussage und künstlerisch wertvolles Erlebnis bieten.

Fazit des Festivals also: Der Schweizer Spielfilm darf auf Einzelne der neuen Generation hoffen.

Teresa Vena

Die Solothurner Filmtage fanden vom 24. bis 31. Januar 2019 statt.

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1. Februar 2019 | In Allgemein

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