14th XPOSED: Queer goes Hommage und hybrid


Queer ist kein geschlossener Begriff. Trotz oder gerade weil es sich bei queer um eine brauchbare und auch lebbare Identifikationskategorie für viele Menschen handelt, die sich nicht als heterosexuell oder aber Cisgender verstehen, meint queer auch die Hinterfragung/Befreiung von binär gedachten (Geschlechter-)Kategorien als solchen. Diese Vielfalt macht sich auch das Programm des 14. XPOSED International Queer Film Festival zu eigen, das von 9. bis 12. Mai 2019 stattfindet.

Neben einem großen Kurzfilmprogramm und Coming-of-Age-Stoffen wie Jeremiah Zagars „We the animals“ oder Bertrand Mandicos „The Wild Boys“ kann das queere oder sich für queere Kultur interessierende Publikum dokumentarische Portraits/Familiengeschichten wie „The Sign for Love“ von El-Ad Cohen und Iris Ben Moshe, der einen schwulen, tauben Mann und seinen besten Freund beim komplizierten Adoptionsprozess begleitet, erleben.
Besonders auffällig ist auch die Auswahl stark experimenteller Stoffe, zu denen beispielsweise Wayne Wapeemukwas „Luk’i Luk’i“ gehört, der seine fiktionalisierte Storyline über das Leben an den Rändern der Gesellschaft entlang der echten, reenacteten Konflikte seiner Laiendarsteller*innen spinnt oder Lemohang Jeremiah Moseses „Mother I am suffocating. This is my last film about you„, ein intimes autobiografisches Essay über Moseses Verhältnis zu seiner Heimat Lesotho.

Lesbische Filme sind im Langfilmprogramm mit „To see a woman“ von Mònica Rovira oder Caroline Berlers „Dykes, Camera, Action!“ vergleichsweise etwas seltener gesät. Allerdings widmet das XPOSED Barbara Hammer, der vor kurzem verstorbenen amerikanischen Pionierin des lesbischen, experimentellen Kinos, eine Hommage, und streut diese erfrischend statt en bloc immer wieder ins Kurzfilmprogramm hinein. Außerdem zeigt XPOSED ihren ersten Langfilm „Nitrate Kisses“ von 1992, der neben Beziehungsbetrachtungen aus Hammers persönlichem Umfeld auch die Repräsentation queeren Lebens in den Medien zum Thema hat.

Marie Ketzscher

14. Xposed International Queer Film Festival von 9. bis 12. Mai 2019 in Berlin.

Hier unsere Programmtipps…

OPENING NIGHT SHORTS – Speaking Visuals, Showing Patterns

Darum geht es:
Die visuell eindrücklichsten Erlebnisse anderer Festivals bekommen bei XPOSED in diesem Kurzfilmscreening neue Kontexte und Interpretationsebenen verpasst: „Galatée à L’infini“ vom Künstler*innenkollektiv Julia Maura, Mariangela Pluchino, Ambra Reijnen, María Chatzi und Fátima Flores zeichnet wütend-großartig die männliche Konstruktion des weiblichen Körpers nach, „Flores“ von Jorge Jácome ist eine unglaublich sinnliche und toll fotografierte Dystopie und Jordan Wongs „Mom’s Clothes“ ein behutsames Coming-Out in exzentrischen Stoffmustern.

Was du über „Opening Night Shorts“ wissen musst:
Es handelt sich nur um eines von sieben Screenings, das kurze dokumentarische und fiktionale, aber auch experimentelle und Animationsstoffe versammelt. Mit dabei: Die international vielfach prämierte Animationsregisseurin Chintis Lundgren mit ihrem herrlich anrührend-lustigen Fuchs „Manivald„, der so endlich auch einmal außerhalb der Animationsfilmfestivalbetriebes für Lacher sorgen kann. Zu den weiteren bereits gesehenen Festivalentdeckungen gehören der neulich beim Filmfest Dresden (hier unser Festivalbericht) prämierte „Wren Boys“ von Harry Lighton oder „We love Moses“ von Dionne Edwards – die vielleicht für die eine oder andere Überraschung sorgen könnten – aber auch „Enzo“ von Serena Porcher-Carli, die ihren transsexuellen Protagonisten gleichzeitig direkt und diskret portraitiert (beide zuletzt genannten Filme sind Teil des Programms XPOSED SHORTS 4 – Family Affairs).

Termin beim 14. XPOSED:
Donnerstag, 9.5., um 18 Uhr im Moviemento

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