Film:ReStored_04: Hörbilder der Tonfilmära


Die digitale Filmrestaurierung widmet sich der langfristigen Erhaltung des audiovisuellen Filmmediums in bestmöglicher Qualität. Dabei wird der Bildqualität auf der Leinwand jedoch auch in wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit der Thematik häufig eine größere Bedeutung zugeschrieben, als dem Klang der Tonspuren aus den Lautsprechern. Die vierte Ausgabe des Filmerbe-Festivals Film:ReStored wird sich aus diesem Grund vom 24. bis 27. Oktober 2019 im Kino Arsenal vor allem dem Ton widmen.
Historische Tonformate stellen bei der Restaurierung eine besondere Herausforderung dar. Sowohl in der Produktion als auch für die Distribution kamen über den Verlauf der Tonfilmära verschiedenste Systeme aus den Bereichen Nadelton, Lichtton und Magnetton zum Einsatz. In Vorträgen, Podiumsgesprächen und Werkstattberichten sollen die modernsten technischen Möglichkeiten und Herausforderungen erörtert werden, um dem originalen Klang der Filmbeispiele heute wieder nahezukommen.

Dabei wird auch die filmhistorische Bedeutung des Umbruchs vom Stumm- zum Tonfilm thematisiert. Die digitalisierte Fassung des Kriminalfilms „Die Jagd nach der Million“ von Max Obal verdeutlicht, inwiefern die Bearbeitung des Tons ein Werk verändern kann. Das Werk mit Stummfilmstar Luciano Albertini in seinem ersten Tonfilm wurde 1930 stumm uraufgeführt, von der Produktionsfirma nachträglich aber mit Musik und Geräuscheffekten auf Schellackplatten versehen. Die stumme und tönende Fassung des Films wurden parallel in der Welt vertrieben, je nachdem ob die Kinos damals bereits auf die Tonfilmtechnik umgerüstet hatte. Der ursprüngliche Nadelton ist dabei nur lückenhaft überliefert. Die Digitalisierung bot die Möglichkeit, Bild und Ton zusammenzuführen.

Auch die Tonspur an sich kann aus verschiedenen Gründen in verschiedenen Fassungen vorliegen, die unterschiedlich bewertet werden müssen. Der Propagandafilm „Dass ein gutes Deutschland blühe“ wurde 1959 zum 10. Jahrestag der DDR von Regisseur Joop Huisken in Agfacolor gedreht. Für den Sprechertext wurde der Dichter Stephan Hermlin verpflichtet, der einen mehr poetischen als pathosgeladenen Kommentar schuf. Doch das SED-Politbüro befand den Text als zu „neutralistisch“ und beauftragte einen neuen Kommentar bei Karl-Eduard von Schnitzler. So kam der Film mit einer neuen Tonspur versehen in die Kinos der DDR, während die Hermlin-Fassung in den Westen wanderte. Die DEFA-Stiftung ließ beide Fassungen des Films digitalisieren und erlaubt somit einen direkten Vergleich der politisch motivierten Veränderungen auf der Audiospur.

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20. Oktober 2019 | In Film:ReStored

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