16. Provinziale: Der Bär geht in die Provinz zum Steppen


Provinz. Das Wort gibt’s kaum ohne verächtliche Mundwinkel. Es folgt oft die Assoziationskette, die bestenfalls vom trübsinnigen Arsch der Welt und schlechtestenfalls von NPD-Hochburgen ausgeht. Selten taucht in diesem Gedankengewimmel der Begriff Film oder Kulturevent auf, seltener noch: Filmfestival. Nichtsdestotrotz hat sich das Filmfest Eberswalde 2009 selbstbewusst und selbstironisch in die Provinziale umbenannt – und feiert in diesem Jahr bereits ihre stolze 16. Ausgabe vom 12. bis 19. Oktober in Eberswalde, keine 30 Minuten von Berlin entfernt. Für den Organisationsleiter Sascha Leeske, der das Festival zusammen mit dem Festivalleiter Kenneth Anders und einem größtenteils ehrenamtlich arbeitenden Team auf die Beine stellt, ist die Provinz erst einmal ein Raum – „und der Lebensraum ist immer ein Mitspieler“. Das gerate oft in Vergessenheit. Er gestalte mit, definiere oft maßgeblich, sei der Kontext. Der Raum soll bei der Provinziale der Mittelpunkt sein.

Um diesem Gegenspieler zur ewig wuselnden, lärmenden Stadt die Ehre zu erweisen, zeigt die Provinziale seit jeher kurze und lange Dokumentarfilme sowie kurze Spielfilme. Später sind Animationsfilme dazugekommen, die nicht unbedingt einen regionale Färbung aufweisen müssen. Die Provinz ist dabei deutsch, europäisch, aber auch global: Essayistische Beiträge wie der Film „Kursmeldungen“ von Rainer Komers, der das Publikum inklusive Sarah Kirschs Aphorismen mit auf die Fähre in die norddeutschen Wasser zwischen Freizeitindustrie, Schwerindustrie und Landwirtschaft nimmt, sind ebenso Teil des Programms wie Olga Korotkayas „Pet/Sing“ über den russischen, indigenen Kehlkopfgesang Khoomei und die wenigen Frauen, die ihn sich zu Eigen machen und so die patriarchalen Strukturen herausfordern.

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11. Oktober 2019 | In Filmfest Eberswalde

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