Petzold: "Ich mag keine Sexszenen"


Im Berlinale Palast: Christian Petzold und seine beiden „Undine“-Hauptdarsteller Fran Rogowski (links) und Paula Beer.

Sie haben bereits bei „Transit“ mit den beiden Schauspielern Paula Beer und Franz Rogowski gedreht. Was schätzen Sie an den beiden insbesondere?
Bei „Transit“ kannte ich beide nicht. Die beiden kannten sich untereinander auch noch nicht. Aber bereits bei der ersten Begegnung in Marseille hatte ich das Gefühl, als würden sich zwei Tänzer begegnen, die sich nicht auf die Füße treten. Die sich, wie beim Tango, sich ganz nahe kommen, aber trotzdem eine kleine Distanz lassen, die einen großen Respekt voreinander haben und eine große Vorsicht dem anderen gegenüber. Die im Grunde genommen von der Neugierde leben, zu schauen, was tanzt der andere und was kann ich dazu machen. Jeder Tag bei der Arbeit mit ihnen war ein Genuss.

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Undine“ ist ein Liebesfilm, aber sie entscheiden sich, keine expliziten Sexszenen zu inszenieren.
Ich mag keine Sexszenen. Es liegt aber nicht daran, dass ich puritanisch erzogen worden bin. Wenn man miteinander schläft ist es oft dunkel, wir machen dann aber Licht, um etwas sehen zu können. Ich finde, dass man bei Sexszenen fast immer die Regie spürt. Es gibt nur wenige Sexszenen in der Geschichte des Kinos, die für mich gelungen sind, und jeder zitiert immer aus „Wenn die Gondeln Trauer tragen„. Ich finde die Szene bei „Undine„, in der sie sich unter der Bettdecke küssen, sehr erotisch. Sie zieht die Bettdecke dann über den Kopf und es wirkt, als wolle sie unter Wasser gehen, als sei der Orgasmus wie versinken. Danach sehen wir den See und sie tauchen dort ein. Ich war so aufgeregt wie bei einer Sexszene.
Aber die Unschuld und Leichtigkeit der beiden war wichtig. Diese Szene gehört ihnen, und ist nicht für uns gemacht. Das ärgert mich bei Sexszenen, dass sie immer etwas machen für uns. Dass man immer etwas sieht, Brüste oder das männliche Glied, das ist doch alles entsetzlich. Für mich ist es erotisch, wenn man es so filmt, dass die Sexszene den Charakteren gehört und nicht für uns ist.

Sie erhielten den Kulturorden des französischen Staates. Welche Bedeutung hat Frankreich und das französische Kino für Sie?
Das ist der Sehnsuchtsfilm von mir. Der Film meines Leben ist „Partie de campagne“ (1936) von Jean Renoir. Das französische Kino ist für mich Sehnsuchtskino, genauso wie die Literatur und die Philosophie. Ich kann nur kein einziges Wort Französisch, was wahrscheinlich die Sehnsucht noch befeuert. So ein Kulturorden ist etwas Besonderes, da wir das in Deutschland nicht haben. Frankreich liebt Kunst und Anmut, die Deutschen kritisieren eine Schauspielerin, die nur anmutig ist. Deswegen kann ich verstehen, dass sich eine Schauspielerin wie Paula Beer bei François Ozon gefunden hat.

Die Fragen stellte Teresa Vena für Berliner Filmfestivals.

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