12. filmPolska: “The Last family” von Jan Matuszynski


Die Dichte des Filmes entsteht durch die schnellen Bewegungen innerhalb der Wohnräume. Es entsteht dabei das Gefühl, fast schon zur Seite treten zu müssen, wenn wieder durch den Flur gerannt wird. Die Nähe zu den Menschen wird durchgehend gehalten.

Die Szenen einer Familie: Von den Versuchen, mit therapeutischen Maßnahmen Psychosen beizukommen, Sommerausflügen, Begräbnissen, bis zum Weihnachtsfest. Diese, mit regelmäßigen Seitenhieben auf die katholische Kirche gespickt, sorgen für den speziellen Humor, der sicher die Probleme in manch polnischer Familie widerspiegelt. Die Hausfrau, die funktioniert, gläubig ist, die Geliebten des Sohnes, mit denen er, auf der Suche nach sexuellem Glück, leider empfindliche Störungen überwinden muss, die Großmütter, die die Bedrohung der Gestapo in verwirrten Zuständen wieder erleben, der Vater, der zwischen all dem sein Atelier und eine Spinnenphobie hat.

Wir wachsen mit dieser Familie, mit dem Erfolg des Vaters und des Sohnes und beobachten eine Mutter, die zunehmend mehr Tabletten nimmt. Mit viel Situationskomik ist hier ein Stück Zeitgeschichte porträtiert, die Ära der Jahrtausendwende im Plattenbau miterlebbar gemacht.

Die Werke Beksinski werden in ihrer Düsternis passend szenisch eingearbeitet. Das blutrote Eingangsbild im kleinen Flur, welches als erstes seiner Werke im Film zu sehen ist, wird den Bogen am Ende schließen.
Ein trotzt aller Schicksalsschläge warmer Film über eine extrem besondere und doch so menschlich schlichte Familie.

Heike Brunner

The Last family“, Regie: Jan Matuszynski, DarstellerInnen: Andrzej Seweryn, Andrzej Chyra, Dawid Ogrodnik

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des 4. deutsch-polnischen Programms für junge Filmkritiker_innen und -journalist_innen der 12. Ausgabe von filmPOLSKA.

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9. Mai 2017 | In filmPolska | Keine Kommentare »

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