14. achtung berlin: “Ava” von Sabine Nawrath


Ava“, der dffb-Abschlussfilm der 1980 in Ost-Berlin geborenen Regisseurin Sabine Nawrath, feierte seine Deutschlandpremiere bei den Internationalen Hofer Filmtagen 2017 und seine internationale Premiere beim Shanghai International Film Festival. Die Regisseurin, die als Kind in der DDR bei Freunden miterlebte, wie groß der Druck im Leistungssport war, nahm sich viel Zeit für das Casting der beiden Hauptdarstellerinnen. In ganz Deutschland kontaktierte sie Sportzentren und Trainer und schaute sich junge Turnerinnen an. In Saarbrücken fand sie schließlich Caroline Dorzweiler, die in Wirklichkeit nicht auf höchstem Niveau turnt – ein Filmdreh hätte sich ohnehin nicht mit dem straffen Trainingsplan einer jungen Spitzensportlerin vereinbaren lassen. Elisa Lichtenfeld trainierte dagegen auch im echten Leben jahrelang in einem Berliner Leistungssportzentrum, brach allerdings kurz vor Drehbeginn das Leistungsturnen ab.

Nawraths 84-Minüter lebt vom sportlichen Können und der Natürlichkeit und Ernsthaftigkeit der beiden Hauptdarstellerinnen, die sich in der Turnerszene bestens auskennen. Gedreht wurde u.a. in der Turnhalle der Turntalentschule “Maxi Gnauck” in Berlin-Hohenschönhausen, im Schul- und Leistungssportzentrum Berlin und im Leistungssportzentrum Kienbaum. Die Szenen gegen Ende des Films wurden während einer echten Turnmeisterschaft gedreht. So bekommt der Film einen nahezu dokumentarischen Charakter.

In ruhigem, eindringlichem Ton erzählt “Ava” von Konkurrenz und Leistungsdruck in einem grazil anmutenden, aber harten und gefährlichen Sport – und von dem Konflikt zwischen Freundschaft und Erfolgsdruck. Auf feinfühlige Weise behandelt der Film auch das Thema Trauer und deren Verdrängung. Ava trauert, indem sie immer härter trainert, aber ist es wirklich ihr Wunsch, ihr ganzes Leben dem Leistungssport zu widmen?
Letztlich ist “Ava” ein Coming-of-Age-Film, der in kraftvollen Bildern der Suche eines jungen Mädchens nach Halt und nach dem eigenen Weg Raum gibt und sie in Filmsprache übersetzt.

Stefanie Borowsky

Ava“, Regie: Sabine Nawrath; DarstellerInnen: Caroline Dorzweiler, Elisa Lichtenfeld, Karin Hanczewski, Christoph Schüchner, Deborah Kaufmann.

Termine bei achtung berlin 2018:
Samstag, 14. April, 21:00 Uhr, Eiszeit
Montag, 16. April, 19:00 Uhr, Delphi LUX
Dienstag, 17. April, 22:15 Uhr, Babylon 2

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11. April 2018 | In achtung berlin | Keine Kommentare »

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